Zwei Turner, zwei Nationalteams
Obwohl beide beim STB ihr turnen begannen, traten sie auf der WM-Bühne in unterschiedlichen Farben an.
Bei Alina stand der Traum schon mit fünf Jahren fest: „Ich werde irgendwann mal bei einer WM turnen!“ Mit sechs Jahren passte sie im Heimatverein zum ersten Mal richtig ins Rad. Um sich ihren Kindheitstraum zu erfüllen, nutzte sie eine besondere Chance: Durch ihre US-amerikanische Staatsbürgerschaft, schloss sie sich dem US-Team an – da die Plätze im deutschen Nationalteam für die Frauen im Erwachsenenbereich hart umkämpft sind.
Luis gelang der direkte Einzug ins deutsche Nationalteam, wo das Feld der männlichen Turner kleiner ausfällt. Schon ganz früh zeigte sich bei ihm die Begeisterung für diese Randsportart: Als er das erste Mal im Rhönrad stand und später beim Deutschland-Cup turnte, wurde ihm schnell klar, wie vielfältig dieser Sport doch ist und was man darin alles lernen kann. Seine mentale Stärke erarbeitet er sich vor jedem Durchgang mit einem festen Ritual:
„Ich geh in einen stillen Raum, gehe die Kür im Kopf durch und rede mir ein, dass ich es schaffen werde.“
20 bis 25 Stunden Training: Der Preis für den Erfolg
Dass Spitzensport kein Alleingang ist, zeigt ein Blick auf den harten Trainingsalltag. 20 bis 25 Stunden pro Woche investierte Alina in die Vorbereitung – ein Spagat zwischen Studium und Leistungssport.
„Das ging nur durch mein großartiges Team. Meine Eltern haben mich finanziell unterstützt, im Studium konnte ich dank des Spitzensportprogramms vieles schieben und im STB hat mir Nora Reiter den Rücken freigehalten.“
Auch Niederlagen und Verletzungen gehören dazu. Doch für Alina steht fest: „Die blauen Flecken sind es wert!“ Egal ob der Sprung, der sie von Anfang an fesselte, oder die physikalisch faszinierende Spirale, die sie erst hassen und dann lieben lernte – die Leidenschaft war groß.
Freud, Leid und echte Sportsgeist-Momente auf der Weltbühne
Auf der WM-Bühne zeigten sich die extremen Emotionen des Sports. Für Luis wurde der Wettkampf zu einer mentalen Achterbahnfahrt: Nachdem er seine Gerade-Kür nicht wie geplant turnte, bewies er enorme Willensstärke. In der Spirale holte er das Beste aus sich heraus und verpasste das Finale extrem knapp um nur 0,1 Punkte.
Alina belohnte sich bei ihrem WM-Debüt mit einem starken 26. Platz. Der emotionalste Moment war für sie jedoch der Einmarsch in die Halle:
„Mein Verein war als Fanclub da, Freunde und Familie hatten Fanshirts an. Wir sind genau vor ihnen stehen geblieben – ich musste wirklich mit den Tränen kämpfen.“
Trotz der unterschiedlichen Trikots war der Umgang wertschätzend und unterstützend. Alina wurde im US-Team superlieb aufgenommen, und auch in der Halle herrschte eine familiäre Atmosphäre: Alle Nationen freuten sich füreinander, teilten High Fives aus und gaben Trost, wenn etwas schiefging.
Blick nach vorn: Wissen an den STB zurückgeben
Nach dem großen WM-Abenteuer richten beide ihren Blick wieder nach Hause. Ihre Erfahrungen aus der Weltspitze wollen sie nun in der Heimat nutzen. Das Ziel von Alina im Schwäbischen Turnerbund ist klar: Die eigenen Vereinsgruppen weiter aufbauen, den Kader als Lehrwart neu aufleben lassen und die Faszination Rhönrad an den nächsten Turnern und Turnerinnen weitergeben.
Auch Luis ist motiviert für die Zukunft: Seine nächsten Ziele sind es, neue Übungen einzustudieren, sich optimal auf die kommende Saison vorzubereiten und dort wieder richtig gut abzuschneiden.


