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MEIN MOMENT mit Henrik Struve: Indiaca Doppelweltmeister

In der Serie MEIN MOMENT der SportRegion Stuttgart kommt in jeder Woche eine Person zu Wort, die im vergangenen Vierteljahrhundert einen besonderen sportlichen Moment erlebt hat. In der zehnten Folge geht es um den Indiaca-Doppelweltmeister Henrik Struve.

Henrik Struves Rückblick

Zum Indiaca bin ich über den Fußball gekommen, also nicht so klassisch. Ich bin in der evangelischen Jugendarbeit groß geworden und da haben wir Fußball gespielt, unser Jugendleiter hat aber auch Wert darauf gelegt uns verschiedenen Sportarten zu zeigen, Indiaca war eine davon.

Die ersten Berührungen mit dem Indiaca waren eher schwierig, weil ich Probleme hatte, den Aufschlag über das Netz zu bringen. Als es dann irgendwann funktioniert hat, war der Bann für mich gebrochen und hat mich nicht mehr losgelassen. Von Beginn an, bis heute, spiele ich aktiv in der evangelischen Kirchengemeinde in Malmsheim, wir haben dort eine relativ große Indiaca-Gruppe. Da Indiaca allgemein von nicht sehr vielen Menschen gespielt wird, hat sich für mich relativ schnell die Möglichkeit ergeben, bei Turnieren und Meisterschaften zu spielen. Von den Württembergischen Meisterschaften ging es dann auch zu den Deutschen Meisterschaften, die ich mit meiner Mannschaft im Jahr 2000 gewinnen konnte.

Über die Teilnahmen an Deutschen Meisterschaften, gute Spielleistungen und mehrfache Württembergische Meistertitel entstanden irgendwann die Kontakte zur Nationalmannschaft. 2008 wurde ich dann selbst in die Nationalmannschaft berufen und nahm mit dem Männer-Team im gleichen Jahr noch an der Weltmeisterschaft in Luxemburg teil. Der Titel blieb uns in jenem Jahr noch verwehrt. Im Finale unterlagen wir den Gastgebern und so kehrte ich von meiner ersten WM mit der Silbermedaille heim. Fünf Jahre später bot sich dann die Revanche bei der Heim-WM.

Das war phänomenal! 2013 war ein Jahrhundertsommer, draußen eine Hitze pur und wir haben in der Eishalle in Bietigheim-Bissingen gespielt. Unter der Spielfläche war noch das Eis, dadurch war es trotz 40 Grad Außentemperatur in der Halle recht angenehm. Es war einfach genial, vor 2.500 Zuschauern zu Hause zu spielen. Indiaca wird in Deutschland nicht von vielen Menschen ausgeübt und hat dementsprechend normalerweise auch nur wenige Zuschauer. 2.500 Menschen, die extra gekommen waren, um Indiaca anzuschauen und uns anzufeuern – das war schon beeindruckend! Mittlerweile werden die Events teilweise zwar online gestreamt, aber so ein Live-Publikum ist dann schon nochmal etwas Anderes. Das war richtig klasse.

Wir haben bei der Heim-WM 2013 gut gespielt und uns für das Endspiel qualifiziert. Dort trafen wir auf Luxemburg, den Titelverteidiger, dem wir 2008 im Finale schon einmal gegenübergestanden waren. Es war ein spannendes Duell. Den ersten Satz gewannen wir mit 27:25. Der zweite Satz ging mit 26:24 an Luxemburg. Der dritte Satz musste also die Entscheidung bringen. Dieser war bis zum Schluss spannend. Am Ende gewannen wir mit 25:21 und konnten so den Heimvorteil nutzen.

Dabei musste ich im Vorfeld der Titelkämpfe eine Hiobsbotschaft verkraften. Nachdem ich mich kurz vor WM-Beginn am Knie verletzt hatte, war es nicht klar, ob es bis zur WM reichen würde, wieder in Form zu sein. Es klappte dann aber glücklicherweise. Meine Nervosität hielt sich dabei in Grenzen. Zwar gehörten die deutschen Teams in allen Spielklassen zum engen Favoritenkreis und konnten am Ende drei Goldmedaillen und drei Silbermedaillen gewinnen. Doch trotz der Mitfavoritenrolle, der Zuschaueranzahl und dem bevorstehenden Finale gegen Luxemburg überwog bei mir die Freude zu spielen, die Nationalhymne zu hören, aufgerufen zu werden und auf das Feld zu laufen. Das alles war überwältigend und hat gegenüber der Nervosität überwogen. Mit dem Gewinn des WM-Titels ist dann ein Traum für mich in Erfüllung gegangen – zu Hause, vor eigenem Publikum, war das natürlich um so schöner.

Vier Jahr später, bei der WM 2017 in Polen, durfte ich erneut für Deutschland auflaufen, diesmal für die Auswahl 40+. Wieder kamen wir ins Endspiel. Der Gegner war Japan. Wir konnten uns dabei in drei Sätzen durchsetzen. Zwei Mal hintereinander Weltmeister zu werden ist auch ein besonderes Gefühl. Durch die große Aufmerksamkeit, die der Indiaca-Sport sonst nicht gewohnt ist, und da es eine WM zu Hause im Ländle war, bedeutet mir persönlich der WM-Titel 2013 noch einen Tick mehr. Durch das neu gegründete Indiaca-Netzwerk auf Ebene des Christlichen Verein Junger Menschen und die Vernetzung mit dem Deutschen Turner-Bund wächst hoffentlich die Indiaca-Arbeit in den kommenden Jahren. Die für 2021 geplante Weltmeisterschaft in Luxemburg musste leider coronabedingt auf 2022 verschoben werden. Wenn der Bundestrainer anruft, werde ich dort wieder dabei sein.

Henrik Struve wohnt in Renningen-Malmsheim. Er ist Jugendreferent im  Evangelischen Jugendwerkes in Württemberg und zuständig für den Bereich Sport. Außerdem engagiert er sich im Arbeitskreis Kirche und Sport.

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