Die Lüneburger Heide ist das Sehnsuchtsziel der besten Bundesliga-Mannschaften: In Bardowick findet am 18. und 19. Juli die Meisterschaft der Frauen und Männer statt. Während die Top-3 der Damen in Nord- und Südstaffeln die DM-Tickets ziehen, wird bei den Männern nach einfacher Vorrunde (jeder gegen jeden) das Feld aufgeteilt: Die untere Tabellenhälfte (Plätze 5 bis 8) ermittelt, wer neben dem TV 1880 Käfertal – die Mannheimer ziehen nach der Saison ihr Team zurück – absteigen muss. Die oberen Vier kämpfen in Play-offs noch einmal gegeneinander um drei Meisterschaftsplätze.
Welche Chancen haben die vier schwäbischen Klubs? Ein Überblick in alphabetischer Reihenfolge:
Der TSV Calw zählt einmal mehr zu den Play-off-Kandidaten. Mit komplett unverändertem Kader gehen die „Löwen“ aus der Hermann-Hesse-Stadt erneut auf Punktejagd. Herausragender Akteur ist weiterhin Raphael Schlattinger, der die Mannschaft nun bereits seit acht Jahren prägt und sportlich vorangeht. Auch die erfahrene Abwehrreihe, das Zuspiel und Zweitangreifer Markus Kraut präsentieren sich ausgesprochen stabil und eingespielt. Die Männer um Coach Thomas Stoll machen es jedem Gegner schwer, insbesondere zuhause auf dem windanfälligen Platz oben in Calw-Altburg. Bleibt die Mannschaft verletzungsfrei, ist eine Qualifikation für die entscheidende Saisonphase auf jeden Fall drin. Die 2:5-Niederlage zum Auftakt beim herausragenden TSV Pfungstadt ist dabei kein Beinbruch.
In der vergangenen Hallenrunde sorgte der TV Stammheim für Aufsehen mit der Verpflichtung von zwei Weltklasse-Brasilianern. Für die erhoffe DM-Medaille reichte es aber knapp nicht. Der Trend nach oben aber ist bei dem Verein mit seiner starken Jugendarbeit unübersehbar. Der Stuttgarter Stadtteil-Verein ist auch ohne Samba-Faustballer ein Kandidat für die Top-4-Plätze im Süden. Im Angriff geben Max Gayer und Fynn Erlenmayer die Richtung vor. Die Abwehr ist hervorragend besetzt. In der Mitte zieht Felix Klassen die Fäden und verleiht dem Spiel Stabilität und Struktur. Der TVS verfügt also über einen homogenen und leistungsstarken Kader. Im ersten Saisonspiel am Samstag gewann Stammheim mit 5:2 bei Aufsteiger TV Eibach 03 und zeigte sich effizient: alle Satzgewinne gingen nur mit zwei Bällen Vorsprung an die Schwaben.
Auch der NLV Vaihingen ist ein Stuttgarter Faustball-Hotspot, als Aufsteiger und „Fahrstuhlmannschaft“ der Vergangenheit sind die Ambitionen aber kleiner als beim wenige Kilometer entfernten TV Stammheim. Gelenkt wird das Team von Marc und Robin Löwe (Angriff/Zuspiel). Es geht nur um den Klassenerhalt. Die Mannschaft bringt Erfahrung, Struktur und Wettkampfhärte mit, die in engen Spielen den Ausschlag geben kann. Gegen Eibach gewinnen und vielleicht noch ein Überraschungssieg dazu, dann kann es schon reichen, das Abstiegsgespenst zu verjagen. Beim fränkischen TV SW-Oberndorf wurde es nichts am letzten Samstag: 1:5-Niederlage zum Saisonstart.
Noch mal Vaihingen – diesmal aber der TV Vaihingen an der Enz, am Neckar nördlich von Stuttgart gelegen: Dieser Verein sammelte früher einige Titel und war auch in den letzten Jahren immer mal bei deutschen Meisterschaften dabei. Doch mit dem Weggang von National-Angreifer Johannes Jungclaussen nach Brettorf kämpfte die Mannschaft in der letzten Hallenrunde gegen den Abstieg. Im Feld will der TVV wieder angreifen, und dafür kehrt Abwehr-As Jacob Jungclaussen zurück. Jaro Jungclaussen und Jakob Kilpper sind Weltmeister und technisch beschlagen. Auch mit ihnen zählt Vaihingen/Enz nicht zu Meisterfavoriten, aber die Heimstärke kann entscheidende Zähler bringen – so wie beim Saisonauftakt am Samstag, mit einem kaum erwarteten 5:1-Triumph gegen den eigentlich favorisierten amtierenden Indoor-Meister TV 1880 Käfertal.
Prognose
Serien-Champion TSV Pfungstadt wird einmal mehr die zu schlagende Mannschaft für alle in Deutschland sein. Die Hessen sind für Bardowick quasi gesetzt. Dahinter machen sich mehrere Teams Hoffnung auf zwei weitere DM-Plätze: der TV 1880 Käfertal in seiner vorerst letzten Bundesligarunde, der TV Schweinfurt-Oberndorf sowie das schwäbische Trio aus TSV Calw, TV Stammheim und TV Vaihingen/Enz. Bleiben der NLV Vaihingen und Mit-Aufsteiger TV Eibach 03 übrig, die wohl den Absteiger unter sich ermitteln müssen.

