Foto: Lars Neumann

Faustball: Deutsche Meisterschaft - Pink Ladies und Löwinnen jubeln

Einen Doppelerfolg feierten die schwäbischen Bundesliga-Teams im Frauenfaustball bei der deutschen Meisterschaft in Neuenbürg.

Der TSV Dennach nutzte seinen Heimvorteil in der Stadthalle Neuenbürg und gewann vor rund 400 Zuschauern erstmals nach sieben Jahren wieder den Titel in der Halle. Der Favorit, im letzten Sommer World Tour Finals Sieger und im Januar (in Calw) Europapokalsieger im EFA Champions Cup, besiegte in einem reinen Nordschwarzwald-Endspiel den Überraschungszweiten TSV Calw mit 3:1 Sätzen. Die Routiniers aus der Hermann-Hesse-Stadt hatten sich vor zwei Wochen erst mit einem Kraftakt überhaupt zu diesem Turnier und nach schwachem Auftakt am Samstag dann in die Halbfinals gerettet. Die Calwerinnen blicken nun auf eine beeindruckende Serie zurück: je zweimal Gold, Bronze und nun auch Silber in den letzten sechs Finalturnieren.

Am Samstag hatte das Turnier der jeweiligen drei Top-Teams aus den Bundesligastaffeln Nord und Süd mit den Gruppenspielen begonnen. Der TSV Dennach gewann beide Gruppenspiele souverän mit 3:0, während die Calwerinnen nach der Niederlage gegen Dennach eine beeindruckenden Comeback Sieg gegen den Ahlhorner SV feierten und so gemeinsam ins Halbfinale einzogen. In Gruppe B setzte sich der Süd-Zweite TV Segnitz souverän durch und galt spätestens mit dem 3:0 gegen Titelverteidiger Jahn Schneverdingen als ernsthafter Titelanwärter. DM-Neuling MTV Wangersen musste nach zwei Niederlagen die Sporttaschen zusammenpacken. So ging es am Sonntag in die Halbfinals.

Anna-Lisa Aldinger, Dennach: „Das war eine rundum gelungene Veranstaltung. Super Stimmung, megatolle Spiele. Gegen Calw ist es uns gelungen, unser Spiel durchzuziehen. In unserem Team ergänzen sich alle, in Angriff wie in der Abwehr, wunderbar.“

 

Das Finale

TSV Calw – TSV Dennach 1:3 (6:11, 11:8, 4:11, 9:11)

Der Unterschied war nicht mehr so deutlich wie im ersten Spiel des Turniers, aber der Favorit behielt mit einer starken Abwehr, sauberen Zuspielen und variablem Angriff gegen aufmüpfige Calwerinnen die Oberhand. Durchgang 2 war Unterhaltung pur, ein Spiel auf Augenhöhe. Im Angriff duellierten sich Stallecker/Schell (Calw) mit Neuefeind/Pfrommer. Dennach gewann noch den Ball zur 8:7-Führung, dann konterte Calw. Samantha Lubik rettete per Hechtsprung auf die Tribüne, Schell stellte zum 1:1-Ausgleich.

Dann gingen die Kräfte der Calwerinnen langsam aus. Pia Neuefeind nutzte jede Chance, auf der anderen Seite rieb sich Schell an der gegnerischen Abwehr auf. Mit einem typischen Spielzug – Klasse-Abwehr von Denise Zeiher, perfektes Aldinger-Zuspiel und krachender Pfrommer-Schlag – ging das Heimteam 2:1 in Führung. Die Calwerinnen bäumten sich auch bei 0:6-Rückstand im vierten Satz noch einmal auf, kamen von 0:6 bis auf 7:9 heran, wehrten zwei Matchbälle ab. Dann versenkte Neuefeind konsequent an der Seitenwand und ihr Team fand sich in einer pinkfarbenen Jubeltraube wieder.

Laura Flörchinger, Calw: „Es war ein unfassbar schönes Turnier mit silbernem Abschluss. Wir sind gestern spät aufgewacht, aber das war vielleicht gut so. Unseren Halbfinalgegner TV Segnitz kennen wir gut und konnten unsere Vorteile ausspielen. Im Endspiel war nichts mehr rauszuholen. Dennach war besser und wir gönnen ihnen den Erfolg vor dem eigenen Publikum.“

 

Die Halbfinals

TSV Dennach – TV Jahn Schneverdingen 3:2

Wenn die Pink Ladies auf die Heidschnucken treffen, ist Spektakel garantiert. Wie im Sommer 2024, als sich Dennach im Endspiel der World Tour Finals durchsetzte. Der TV Jahn übernahm das Zepter, konnte sich aber nicht absetzen. Dennach kam, von einer überragenden Regisseurin Anna-Lisa Aldinger angeleitet, wieder heran, führte 10:9 – und verlor den Satz dennoch. Danach begann der TSV wieder seine Wechselspiele im Angriff. Bei 8:6 gelang dem Heimteam der erste Zwei-Bälle-Vorsprung, dann setzte der TV Jahn vier Nadelstiche in Serie – und brachte seinerseits zwei Satzbälle nicht ins Ziel. Durchatmen. Nachdem erneut Schneverdingen in Satzführung ging, kam Dennach ins Spiel. Die besseren Zuspiele waren der Schlüssel zum Erfolg. Maya Mehle (Dennach): „Wir hatten Höhen und Tiefen und konnten uns in den wichtigen Momenten pushen. Es war ein wirklich hochklassiges Spiel. Vor eigenem Publikum läuft man einfach ein bisschen schneller und schlägt härter.“

TV Segnitz – TSV Calw 1:3

Im Duell Süd-Zweiter gegen -Dritter übernahm Calw die Initiative. Die Abwehr war mit einer starken Laura Flörchinger und der wieselflinken Ida Hollmann bei Kurzbällen gut eingestellt. Die Segnitzer Defensive fand sich häufig mit dem Rücken zur Wand, sodass die überragende Segnitzer Angreiferin Svenja Schröder kaum zum Zug kam. Dann wurde es ihr zu bunt und sie ging, wie im Männer-Faustball, an der Leine in den Block. Mit Erfolg. Ein 5:9 wurde ausgeglichen, dann aber fingen sich die kurzzeitig geschockten Calwerinnen und retteten sich zum zweiten Satzgewinn. Segnitz kam nur noch zum 2:1 heran.

Nachdem Segnitz im Spiel um Platz 3 mit einem klaren 3:0 gegen Schneverdingen Bronze sicherte, kam es zum Traum-Finale.

 

Die Gruppenhase am Samstag der beiden schwäbischen Teams:

TSV Dennach – TSV Calw 3:0

Der Klassiker zur Eröffnung der Endrunde war schon nach 40 Minuten vorbei. „Ich war sehr nervös vor unserem Heimpublikum. Aber es ist richtig gut gelaufen“, meinte Dennachs Rückschlag-Expertin Sonja Pfrommer, nachdem sie das ungleiche Duell mit einem Diagonal-Kracher beendete. Zahlreiche Kurzbälle und starke Angaben von Pia Neuefeind zogen den Calwerinnen den Stecker. „Wir haben zweimal den Start verschlafen. Aber selbst in Bestform wäre es gegen diese Dennacherinnen schwer gewesen, etwas zu reißen“, gab Calws Abwehrspielerin Ida Hollmann zu.

Ahlhorner SV – TSV Calw 2:3

Im zweiten Vorrundenspiel ging es für Calw um alles, ein Sieg gegen Angstgegner Ahlhorner SV aus Niedersachsen, den sie in 15 Jahren zuvor nur einmal besiegt hatten, musste her. Nach 2:0 Sätzen für Ahlhorn sah der TSV wie der klare Verlierer der DM aus. Doch Totgesagte leben länger. Die Calwerinnen, deren Schlagfrau Henriette Schell nach langer Verletzungspause (Patellasehne) erstmals wieder mitspielte und deren Kapitänin Leonie Pfrommer (Kreuzband) komplett ausfiel, stemmten sich gegen das Aus. Angabenschlägerin Fenja Stallecker kam auf Touren und ihr Team setzte sich, nachdem auch der rassige vierte Satz knapp an die Schwäbinnen ging, durch. So wahrten die Löwinnen nach kaum mehr erwarteter Wende noch den Halbfinaltraum und mussten auf Dennacher Schützenhilfe gegen Ahlhorn hoffen. Fenja Stallecker: „Wir hatten nach dem 0:3 gegen Dennach und 0:2-Rückstand gegen Ahlhorn nichts mehr zu verlieren. Sekt oder Selters. Wir sind volles Risiko gegangen und haben uns in Rage gespielt. Das hat richtig Bock gemacht.“

TSV Dennach – Ahlhorner SV 3:0

Das klare 3:0 gegen den Nord-Zweiten täuscht darüber hinweg, dass das Publikum ein hochklassiges Duell erlebte. Dennach bog einen 5:8-Rückstand um und lag auch im zweiten Satz gegen den ASV zurück, verwertete dann aber seine Chancen im Stil einer Spitzenmannschaft. Die Möglichkeit, im Angriff mit Maya Mehle, Pia Neuefeind und Sonja Pfrommer zu rotieren, zahlte sich aus. Eine Aufholjagd blieb aus, Ahlhorn war draußen, beide Schwaben-Teams weiter.



Es spielten

Deutscher Meister TSV Dennach: Denise Zeiher, Pia Neuefeind, Sonja Pfrommer, Maya Mehle, Anna-Lisa Aldinger, Martina Bortolotto, Ann-Kathrin Motteler; Betreuer: Michael Ochner.

Vizemeister TSV Calw: Henriette Schell, Laura Flörchinger, Ida Hollmann, Fenja Stallecker, Samantha Lubik, Laura Nonnenmann, Elisa Becht, Julia Maier, Leonie Pfrommer; Trainer: Johannes Jungclaussen, Raphael Schlattinger.

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