„Ja, ich kann Saltos – mache die auch noch heute auf einem Großtrampolin“, verkündet Daniela Klein mit einem gewissen Selbstverständnis. Für die 43-Jährige stellt das turnerische Element schlechthin keine allzu großen Schwierigkeiten dar. Bemerkenswert daran: Klein war noch nie in einem Sportverein aktiv. Sie treibt zwar ihr ganzes Leben Sport und lebt ständig in Bewegung, in einem Sportverein war sie aber nie Mitglied.
„Das liegt daran, dass wir früher einfach keine attraktiven Sportangebote bei uns im Ort hatten“, erklärt sie ihre Anfänge im Schwarzwald, wo sie aufwächst. Bis auf Fußball und Tennis gibt es nichts. Die gelbe Filzkugel befördert sie zwar eine Zeit lang übers Netz, aber so wirklich ihrer wird der Sport nicht. Stattdessen verfolgt sie ihren Bewegungsdrang unorganisiert, ihre musikalischen Interessen jedoch in einem Verein. Sie kennt also beide Seiten: Mit und ohne Verein. Eine Tatsache, die in ihrem heutigen Job womöglich sogar von Vorteil sein könnte. Denn die inzwischen in Stuttgart lebende Klein ist seit mehr als fünf Jahren Leiterin des Amts für Sport und Bewegung der Stadt Stuttgart.
Aufgabe: Sport zu den Leuten bekommen
Kleins Aufgabe: Stuttgart in Bewegung zu bringen, attraktive Angebote zu schaffen und die Gesellschaft gesünder zu machen. Dass das alles andere als ein Selbstläufer ist, damit wird sie gefühlt jeden Tag konfrontiert. Es gilt, gute Rahmenbedingungen für Sport und Bewegung in Stuttgart zu schaffen, dem organisierten Sport mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und die Menschen in Stuttgart passgenau zu erreichen. Auch wenn Sport und Bewegung gemeinhin als gesund gesehen werden, sei es nach wie vor die größte Herausforderung, „diese einfache Erkenntnis“ zu den Leuten zu bekommen. Erfolg ist für Klein, wenn dies gelingt und insgesamt mehr Menschen in den Sport und in die Vereine kommen.
Den Sport in Stuttgart sichtbar und erlebbar zu machen, zum Beispiel durch die Ausrichtung von Großsportveranstaltungen in der Stadt, begreift Klein als weiteren wichtigen Auftrag ihres Amts. Auch wenn es bei einem Großevent wie dem Brezel-Race im September aus der Bevölkerung auch Kritik an der Organisation und dem Verkehrsmittel Fahrrad gibt und zahlreiche Menschen im Netz ihren Unmut über die Verkehrsführung an diesem Septembertag äußern, darf man nicht die vielen tausenden Menschen vergessen, die entweder selbst an einem der Radrennen teilgenommen oder am Rande der Strecke für gute Stimmung gesorgt haben. Klein hofft, dass auch ein Teil der kritischen Stimmen am Ende in euphorisches Anfeuern übergegangen sind.
Hoffnung in den Finals
(Sport-) Großveranstaltungen wie die Finals, die 2027 in Stuttgart stattfinden werden, sieht die heutige Stuttgarterin als eine Möglichkeit, den Themen Sport und Bewegung mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, die Menschen zu Bewegung zu motivieren und den Gemeinschaftssinn zu stärken. Die Finals 2027 sind eine der vielversprechendsten Veranstaltungen, die Stuttgart in den nächsten Jahren ausrichten darf. Mit „Mini-Olympia“, wie Klein die Veranstaltung nennt, verbindet die Stadt große Hoffnungen. Zum einen erhoffen sich die Verantwortlichen einen kräftigen Schub für das Image der Sportstadt auf der anderen Seite mehr Zulauf in die Sportvereine.
Die Chance für die Landeshauptstadt ist gewaltig, weiß die Amtsleiterin. Der Vorteil der Veranstaltung ist es, dass der Sport zu den Leuten kommt. An verschiedensten Punkten quer durch die Stadt werden 2027 in zahlreichen Sportarten die Deutschen Meister gesucht. Nicht wie sonst üblich in genormten Sportstätten, sondern unübersehbar mitten in der Stadt. Damit sollen auch Menschen mit Sport und Bewegung in Berührung kommen, die eher zu den Sportmuffeln gehören. Die vielerorts kostenlosen Eintritte sollen den Effekt verstärken sowie weitere Mitmachaktionen noch mehr Anziehungskraft ausüben.
Im Idealfall entsteht eine große „Lagerfeuer-Atmosphäre“, träumt Klein. Sportmomente, in denen Menschen miteinander einfach eine gute Zeit haben. Und wer weiß: Vielleicht unterstützt die Austragung der Finals auch den bundesweiten Willen nach Olympischen Spielen.
Akteure vernetzen
Was im Großen verfolgt wird, streben Klein und ihre Kollegen auch auf Breitensportbasis an: Die Bewegung zu den Menschen bringen. Dafür arbeitet die 43-Jährige seit 2006 im Amt für Sport und Bewegung. Bei ihrem vielfältigen Aufgabenfeld ist vor allem eins wichtig: „In meinem Job geht es vor allem um die Kommunikation.“ Sie trägt Sorge dafür, alle relevanten Akteure an einen Tisch zu bringen und möglichst gute Rahmenbedingungen für Sport und Bewegung in Stuttgart zu schaffen. Dabei immer im Blick: Was benötigt die Gesellschaft? Welchen Beitrag können Sport und Bewegung dazu leisten?
Ein Blick auf die Aktivitäten der Stadt zeigt: Sie ist aktiv. Sei es bei „Sport im Park“, wo zusammen mit den Sportvereinen über den Sommer hinweg mehr als 90 Angebote im ganzen Stadtgebiet stattfinden oder auch im Bereich der Kita-Vereins-Kooperation, mit denen regelmäßig Bewegungsanreize geschaffen werden.
Permanent Bewegungsanreize schaffen möchte auch der Schwäbische Turnerbund (STB). Das weiß Klein, die den STB als „verlässlichen und aktiven“ Partner schätzt. Auch deshalb funktioniert das Zusammenspiel zwischen beiden Akteuren so gut. Für die 43-Jährige gehört der STB zu den am besten aufgestellten Fachverbänden in Baden-Württemberg. Das ist auch gut so, vermittle der Fachverband doch die „Grundfertigkeiten“ von Bewegung. Diese finden sich im weiteren Leben in verschiedensten Formen wieder.
Für die Mutter von drei Kindern ist ein (Sport-)Verein eine willkommene Chance, Spaß an der Bewegung zu finden und gesünder zu leben, aber keine Voraussetzung in Bewegung zu sein. Bei Klein hat der Mangel an Sportangeboten zum selbstständigen Sporttreiben geführt. Sie hat für sich die Liebe zum Laufen und Radfahren entdeckt. Das Auto nutzt sie nur sporadisch, wenn sie muss. Wo sie nur kann, nutzt sie die Treppe, verzichtet auf Aufzüge, weil sie für sich weiß: Sport tut mir gut.
Genau das möchte sie auch vermitteln: Jeder soll seine Art und Weise finden, sportlich gesund zu leben. Die Möglichkeiten dafür sind vielfältig.

