FAQ zu den Vorwürfen im Turnen

Seit einiger Zeit äußern deutsche Turnerinnen Vorwürfe - das betrifft auch das vom Schwäbischen Turnerbund betriebene Kunst-Turn-Forum in Stuttgart.
Wir sammeln an dieser Stelle die wichtigsten Fragen und Antworten dazu. (Stand März 2026)
Haben Sie Fehler entdeckt? Möchten Sie etwas kritisieren oder loben? Dann schreiben Sie uns gerne unter info@stb.de
Aktueller Stand (März 2026)
STB-interne interdisziplinäre Task-Force
Seit Herbst 2025 ist die STB-interne und interdisziplinäre Task Force aktiv und trifft sich in der Regel im Zwei-Wochen-Rhythmus, um sich mit den Folgen der Vorwürfe im Turnsport zu beschäftigen.
Sie ist aktuell mit folgenden Personen besetzt (in alphabetischer Reihenfolge):
- Rebecca Beiter (Referentin Olympischer Spitzensport)
- Christine Buschette (Team Kommunikation)
- Hannes Haßpacher (Leiter Team Kommunikation)
- Kira Lohre (Referentin der Geschäftsführung)
- Alexander Peschke (Ansprechpartner für Gewaltprävention)
- Matthias Ranke (Geschäftsführer)
- Nicolas Windelband (GBL Olympischer Spitzensport)
- Carolin Zemmel (Referentin Jugendarbeit)
Aktuell ist keine Erweiterung der Task Force geplant. Aber es wird regelmäßig die Anbindung/Einbindung externer Gruppen/Personen auch zu einzelnen Prozessen überprüft werden.
Selbstverständnis der Task Force:
- Die Task Force ist nicht für die Aufklärung der Vergangenheit zuständig: Zuständig dafür ist Staatsanwaltschaft Stuttgart.
- Die Task Force fokussiert sich auf die Gegenwart und Zukunft.
- Ziel ist es zeitnahe Maßnahmen mit positivem Nutzen umzusetzen und Prozesse zu verbessern, um den Betrieb im Olympischen Spitzensport sicherzustellen.
Bereits umgesetzte Maßnahmen sind:
- monatliche Infomails an verschiedene Stakeholder, besonders die Familien der Athletinnen und Athleten.
- Regelmäßiges Austausch-Format mit dem Trainerpersonal im Olympischen Spitzensport.
Ziele & Leitlinien:
Die Task Force versteht sich als Teil des Wandels und setzt sich für die Wiederherstellung von Vertrauen, Transparenz, klaren Zuständigkeiten sowie sichere und respektvolle Rahmenbedingungen im Olympischen Spitzensport ein.
Wie ist der Stand der arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen mit dem STB-Trainerpersonal?
Zwei arbeitsrechtliche Verfahren sind weiterhin anhängig und gehen in die zweite Instanz. Aufgrund der neuen Faktenlage erwarten wir eine Bestätigung der von uns ausgesprochenen Kündigungen.Ein dritter Trainer ist bis auf Weiteres freigestellt. Wir prüfen derzeit sorgfältig die weitere Vorgehensweise und stimmen die nächsten Schritte intern sowie juristisch ab.
Wie ist der Austausch mit den Turnerinnen, die Vorwürfe geäußert haben?
Wir haben insgesamt 20 ehemalige Turnerinnen bzw. Trainerpersonal kontaktiert, die in der Vergangenheit Vorwürfe geäußert oder entsprechende Hinweise gegeben hatten.
14 Turnerinnen haben reagiert, 4 davon konnten relevante Hinweise im Zuge der arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen liefern. Wir wissen dieses Engagement sehr zu schätzen und bedanken uns hierfür schon jetzt herzlich. Schließlich ist uns bewusst, dass das eine extrem herausfordernde Situation für die betroffenen Personen ist.
Generelle Einschätzung:
Alle Gespräche, die stattgefunden haben, waren aus unserer Sicht sehr wertvoll – sowohl für unsere interne Aufarbeitung als auch für die Turnerinnen bzw. das Trainerpersonal selbst. Rückmeldungen zeigten, dass der direkte, persönliche Austausch häufig als entlastend und wichtig wahrgenommen wurde.
Wie ist der Stand der strafrechtlichen Ermittlungen gegen den STB bzw. Mitarbeitende?
Zum Jahreswechsel 2024/25 haben mehrere Turnerinnen öffentlich Kritik an Trainingsmethoden unter anderem am Bundesstützpunkt in Stuttgart geäußert. In diesem Zusammenhang hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart Ermittlungen eingeleitet.
Diese Ermittlungen wurden zwischenzeitlich ausgeweitet und die Ermittlungen richten sich nunmehr gegen weitere Beschuldigte, darunter auch Funktionsträger des Schwäbischen Turnerbunds. Den Funktionsträgern wird vorgeworfen, ihrer organisatorischen Verantwortung nicht gerecht geworden zu sein. Der STB teilt die (vorläufige) Einschätzung der Staatsanwaltschaft nicht und weist sie nachdrücklich zurück. Wir sind zuversichtlich, dass sich die Sichtweise des STB im weiteren Verlauf des Verfahrens bestätigen wird. Bis zum Abschluss der Ermittlungen gilt die Unschuldsvermutung, deren Beachtung wir ausdrücklich erbitten.
Seit Bekanntwerden der Vorwürfe haben die Verantwortlichen des STB umfassend und konsequent gehandelt. Bereits im Januar 2025 wurden wesentliche personelle Veränderungen im Trainerteam vorgenommen und die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft aktiv unterstützt. Wenige Wochen später konnte ein international anerkanntes Trainerduo aus den USA verpflichtet werden, das seither den Trainingsbetrieb der Turnerinnen im Kunst-Turn-Forum Stuttgart verantwortet.
Diese Maßnahmen dienen dem klaren Ziel, bestmögliche Rahmenbedingungen für Training und Betreuung zu schaffen und das Risiko möglichen Fehlverhaltens weiter zu minimieren.
Der Schwäbische Turnerbund bekennt sich unverändert zum Olympischen Spitzensport – unter humanen, respektvollen und verantwortungsvollen Bedingungen.
Wieso stellt der STB nicht alle Mitarbeitenden frei, gegen die ermittelt wird?
Vor wenigen Wochen hat der Schwäbische Turnerbund offiziell Post von der Staatsanwaltschaft erhalten. Den betroffenen Funktionsträgern wird darin vorgeworfen, ihrer organisatorischen Verantwortung nicht in ausreichendem Maße nachgekommen zu sein. Der STB teilt diese vorläufige Einschätzung der Staatsanwaltschaft nicht und weist die Vorwürfe nachdrücklich zurück.
Grundsätzlich ist uns wichtig, die Fakten klar einzuordnen:
Die Ermittlungen unterscheiden zwischen sogenannten Aktiv-Tätern und Unterlassungs-Tätern. Die als Aktiv-Täter eingestuften Personen – darunter keine Funktionsträger des STB – wurden von uns bereits konsequent freigestellt bzw. gekündigt. Gegen die nun adressierten Funktionsträger richten sich keine Aktivvorwürfe, sondern Vorwürfe des organisatorischen Unterlassens, die wir ausdrücklich zurückweisen.
Wie viele Turnerinnen aus dem Turn-Team Deutschland trainieren aktuell noch am Kunst‑Turn‑Forum Stuttgart?
Der Schwäbische Turnerbund ist stolz auf die starke Präsenz seiner Athletinnen und Athleten im DTB-Kader 2026. Einmal im Jahr veröffentlich der Deutsche Turnerbund die Kaderplätze für die vier Olympischen Sportarten Gerätturnen männlich und weiblich, Rhythmische Sportgymnastik und Trampolinturnen.
Insgesamt 61 von 274 Kaderplätzen werden von Sportlerinnen und Sportlern aus Schwaben besetzt. Die erfreuliche Zahl bestätigt die erfolgreiche Nachwuchs- und Leistungssportarbeit in den schwäbischen Vereinen und Leistungszentren. Der Schwäbische Turnerbund gratuliert allen nominierten Athletinnen und Athleten herzlich und wünscht ihnen eine erfolgreiche und verletzungsfreie Saison.
Wieso ist die EnBW nicht mehr Titelsponsor des DTB Pokals?
Die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) und der Schwäbische Turnerbund (STB) haben ihre erfolgreiche Partnerschaft weiterentwickelt: Das Energieunternehmen ist seit dem 1. September 2025 neuer Hauptsponsor der KiSS-Kindersportschulen im STB. Damit trägt das Unternehmen dazu bei, dass Kinder ganzheitlich und individuell mit einer hohen sportpädagogischen Qualität gefördert werden.
„Wir blicken mit großer Wertschätzung auf die langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der EnBW, die den Schwäbischen Turnerbund bereits seit fast zwei Jahrzehnten begleitet“, sagt Matthias Ranke, Geschäftsführer des Schwäbischen Turnerbunds. „Gleichzeitig freuen wir uns, dass wir nun gemeinsam ein neues Kapitel aufschlagen: Mit dem Fokus auf die Kindersportschulen stärken wir gemeinsam die sportliche Entwicklung von Kindern in Baden-Württemberg.“
Kindersportschulen, oft als „KiSS“ abgekürzt, sind eine Organisationsstruktur mit hauptamtlich angestellten Sportfachkräften, die sich auf die vielseitige sportliche Förderung von Kindern konzentriert. Das Hauptziel ist es, Kinder in einem frühen Alter an regelmäßige körperliche Aktivität heranzuführen und ein breites Spektrum an Bewegungserfahrungen zu bieten. Dabei liegt der Fokus, neben der Entwicklung sportlicher Fähigkeiten, auf der Förderung von sozialen Kompetenzen, Teamgeist und einem gesunden Lebensstil.
„Mit unserem Engagement setzen wir ein bewusstes Zeichen: Wir wollen Kinder fördern und ihnen frühzeitig den Zugang zu Bewegung und Sport ermöglichen. Indem wir die Kindersportschulen unterstützen, legen wir gemeinsam mit dem Schwäbischen Turnerbund den Grundstein für ein aktives, gesundes Leben. Es ist uns ein Anliegen, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und nachhaltige Impulse für die nächste Generation zu setzen“, sagt Sebastian Ackermann, Leiter Kommunikation und Marke bei EnBW.
Die EnBW engagiert sich seit 2006 für den DTB-Pokal. Ab 2007 übernahm das Unternehmen die Rolle des Hauptsponsors und wurde zugleich Namensgeber des EnBW DTB-Pokals. Neben der Förderung der hochkarätig und international bekannten Spitzensportveranstaltung, die in diesem Jahr 40. Geburtstag gefeiert hat, war der in Karlsruhe ansässige Energiekonzern knapp 20 Jahre lang einer der Hauptpartner der beliebten TurnGala, die zum Jahreswechsel durch Baden-Württemberg tourt. Mit der Übernahme der KiSS-Partnerschaft setzen EnBW und STB die erfolgreiche Zusammenarbeit nun fort.
Verband/allgemein
Wer übernimmt Verantwortung für die Geschehnisse? Wieso hat man sich noch nicht bei den Turnerinnen entschuldigt?
Die in den vergangenen Wochen und Monaten an uns herangetragenen Schilderungen von einigen Turnerinnen des Kunst-Turn-Forums bestürzen uns zutiefst, machen den Schwäbischen Turnerbund regelrecht fassungslos. Und der STB steht ohne jede Diskussion an der Seite dieser Turnerinnen und Turner. Auch wenn die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind, zeigt sich jetzt schon sehr deutlich: Im olympischen Gerätturnen und auch am Kunst-Turn-Forum sind in den vergangenen Jahren einige Dinge gehörig schiefgelaufen.
Für den Schwäbischen Turnerbund stellt sich die Frage: Wie kann man in der heutigen Zeit auf die Idee kommen, dass man mit Stress und psychischem oder gar körperlichem Druck am Ende ein besseres und nachhaltigeres Ergebnis erreicht als im Miteinander? Insofern ist es für den STB absolut unverständlich, dass dies nach den Schilderungen einiger Turnerinnen in der Vergangenheit in unserem Kunst-Turn-Forum teilweise anders gelebt worden sein muss.
Die Erfahrungen, die einige unserer Turnerinnen offensichtlich machen mussten, bedauert der STB zutiefst. Welche Verfehlungen es genau gegeben hat, ist Gegenstand der derzeitigen Aufarbeitung. Auch wem persönliche Vorwürfe zu machen sind, gilt es noch zu ermitteln.
Fest steht; Der Schwäbischen Turnerbund stellt sich seiner Verantwortung.
Ungeachtet dessen wird der STB als Organisation den Sportlerinnen eine persönliche Entschuldigung anbieten, die der Schwäbischen Turnerbund aus Respekt gerne persönlich, nach Aufarbeitung aller Vorwürfe terminieren wird, um nicht vorab und pauschaliert hier eine Entschuldigung auszusprechen.
Wie viele Turnerinnen haben Vorwürfe bezüglich des Kunst-Turn-Forums geäußert?
Dem Schwäbischen Turnerbund sind bisher Vorwürfe von rund 20 Turnerinnen und einem Turner vom Bundesstützpunkt in Stuttgart bekannt. Einige Turnerinnen, die sich in den vergangenen Monaten öffentlich geäußert haben, stehen nicht in Verbindung mit dem Standort Stuttgart.
Von den Fällen, die den Bundesstützpunkt Stuttgart betreffen, bezieht sich der Großteil auf die Zeit vor April 2021. Teilweise liegen die vorgeworfenen Sachverhalte mehr als zehn Jahre zurück. Zu dieser Zeit gab es großteils andere Strukturen, andere Personen waren in der Verantwortung. Zudem hat der STB seit April 2021, das war der Zeitpunkt, von Tabea Alts Brief, sehr viel in unserem System und die organisatorischen Strukturen angepasst bzw. verändert.
Und trotzdem hat den STB vor nicht allzu langer Zeit erneut Vorwürfe von drei Personen erreicht.Bis zu diesem Zeitpunkt ist der Schwäbischen Turnerbund davon ausgegangen, dass durch die ab 2021 ergriffenen Maßnahmen Erfahrungen, wie sie zum Beispiel Tabea Alt in ihrer Karriere erleben musste, unmöglich gemacht wurden.
Werden nun auch die Sportarten Rhythmische Sportgymnastik und Trampolin überprüft?
Auch hier wird der Schwäbischen Turnerbund selbstkritisch sein und falls nötig entsprechende Schritte einleiten, sollten dem STB vergleichbare Vorwürfe bekannt werden.
Wieso hat der STB nicht sofort offen und transparent reagiert?
Seit Bekanntwerden der Vorwürfe haben die Verantwortlichen des STB nach unserer Meinung umfassend und konsequent gehandelt. Der STB hat vom ersten Tag an offen mit den Medien kommuniziert und auf alle Fragen geantwortet, sofern es möglich war. Bereits im Januar 2025 wurden entscheidende und dauerhafte personelle Veränderungen im Trainerteam vorgenommen, und wir haben die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft aktiv unterstützt. Wenige Wochen später konnten wir ein international anerkanntes Trainerduo aus den USA verpflichten, das seitdem für den Trainingsbetrieb im Kunst-Turn-Forum Stuttgart verantwortlich ist.
Seit Herbst 2025 gibt es zudem eine interdisziplinär besetzte STB-Task-Force, die zeitnahe Maßnahmen anschiebt.
All diese Maßnahmen verfolgen ein klares Ziel: bestmögliche Bedingungen für Training, Betreuung und Sicherheit zu schaffen – und das Risiko von Fehlverhalten deutlich zu minimieren.
Wieso hat sich der STB noch nicht persönlich an die Turnerinnern gewandt?
Der Deutsche Turner-Bund hat sich gleich nach dem Aufkommen der Vorwürfe persönlich an alle Turnerinnen gewandt und ein Gesprächsangebot gemacht.
Aufgrund der dann folgenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ab Februar 2025 war der Schwäbische Turnerbund zudem gehalten, hier keinen weiteren Kontakt aufzunehmen. Diese Ausgangsituation hat sich im Herbst 2025 geändert. Aufgrund der arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen mit Trainerpersonal sind wir auf 20 Turnerinnen zugegangen. In der Folge gab es mit einigen Turnerinnen einen engeren Austausch. Diese Gespräche waren sehr intensiv, aber auch sehr hilfreich.
Wussten der Präsident, der Geschäftsführer und der Stützpunktleiter des STB von den Vorwürfen von Tabea Alt im Frühjahr 2021?
Tabea Alts Brief waren dem Geschäftsbereichsleiter Olympischer Spitzensport, dem Geschäftsführer und dem Präsidenten bekannt.
Was haben die STB-Funktionsträger konkret nach Tabea Alts Brief auf den Weg gebracht?
Der STB erhielt dazu erstmals im April 2021 Informationen.
Am Bundesstützpunkt Stuttgart gab es danach unter anderem folgende Maßnahmen am Trainingssystem durch den STB: Die vier Themenbereiche „Umgang mit Verletzungen“, „Kommunikation“, „pädagogische Steuerung“ und „Belastungssteuerung“ wurden angegangen. So wurden beispielsweise die medizinische Steuerung und Weisungsbefugnis von den Trainerinnen und Trainern an eine übergeordnete Person übertragen. Außerdem finden Planungsgespräche nur noch unter dem Sechs-Augen-Prinzip statt und werden protokolliert. Um die pädagogische Steuerung zu gewährleisten, wurden Workshops mit Sportpsycholog*innen absolviert. Die Turnerinnen bedienen außerdem regelmäßig ein sogenanntes RPE-System, anhand dessen die Belastungssteuerung im Training stattfindet. Der Schwäbischen Turnerbund ist davon ausgegangen, dass diese Maßnahmen jedenfalls in den letzten drei Jahren dazu führen würden, dass Erfahrungen, wie sie Tabea Alt in ihrer Karriere erleben musste, vermieden werden. Aufgrund der jüngsten Meldungen und Veröffentlichungen von Turnerinnen muss der STB aber die Wirksamkeit und den Erfolg der bislang eingeleiteten Maßnahmen erneut auf den Prüfstand stellen – und zwar sehr kritisch.
Wenn die Beschwerden und Hinweise tatsächlich ernstgenommen wurden, warum blieben sie ebenso wie der ausführliche Brief von Tabea Alt 2021 so lange ohne Reaktion, dass sich die Turnerinnen über Social Media an die Öffentlichkeit gewandt haben?
Sämtliche Beschwerden und Hinweise wurden ernstgenommen und es wurde ihnen nachgegangen. Das wird auch in Zukunft geschehen – allerdings in anderer Art und Weise. Auch gab es eine Rückmeldung an die Auskunftspersonen. Dies betrifft sowohl den Brief von Tabea Alt aus dem Jahr 2021 wie auch beispielsweise die Meldung von Michelle Timm, auf die sie in ihrem Social-Media-Statement hinweist. Der Schwäbischen Turnerbund bedauert sehr, dass dies insbesondere bei den betroffenen Turnerinnen teilweise gänzlich anders wahrgenommen wird. In den Aufarbeitungsprozess werden die Turnerinnen intensiv einbezogen, wenn sie das möchten.
Wieso wurde der Aufarbeitungsprozess „Leistung mit Respekt in Baden-Württemberg“ nicht extern überprüft/begleitet?
Der Schwäbischen Turnerbund kann der eingeleiteten Untersuchung nicht vorgreifen, möchte aber mitteilen, dass auf Arbeitsebene viele externe Fachleute beteiligt gewesen sind.
Janine Berger kritisiert gemeinsam mit anderen Turnerinnen die Beauftragung der Kanzlei Rettenmaier! Wie steht der STB dazu?
Die Kanzlei Rettenmaier ist im Auftrag des DTB tätig. Ansprechpartner hierfür ist also der Deutsche Turner-Bund.
Der STB begrüßt ausdrücklich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, mit der der Schwäbische Turnerbund natürlich kooperiert. Nicht nur das: Auch jetzt ans Licht kommende Sachverhalte, die sich unterhalb der strafrechtlichen Schwelle bewegen, müssen von anderen unabhängigen Stellen aufgearbeitet werden. Hier wird der STB den Vorschlägen des Ministeriums und Landessportverbands BW folgen - nur so ist aus seiner Sicht möglich Vertrauen in der Öffentlichkeit wieder aufzubauen.
Seit Herbst 2025 gibt es zudem eine interdisziplinär besetzte STB-Task-Force, die zeitnahe Maßnahmen anschiebt.
Das Ziel dieser Aufarbeitung muss es sein, die Schwachstellen im System zu erkennen und zu korrigieren – falls nötig, auch mit weiteren Konsequenzen.
Wird die weitere Untersuchung nun extern stattfinden?
Der Schwäbische Turnerbund begrüßt ausdrücklich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und die dadurch strafrechtliche Überprüfung des Sachverhalts. Alles, was sich unterhalb der strafrechtlichen Schwelle bewegt, muss in der Folge von anderen unabhängigen Stellen aufgearbeitet werden. Hier wird der STB den Vorschlägen des Ministeriums und Landessportverbands Baden-Württemberg folgen - nur so ist aus seiner Sicht möglich, Vertrauen in der Öffentlichkeit wieder aufzubauen. Die unabhängige Arbeitsgruppe des Landessportverbands Baden-Württemberg hat im Sommer 2025 ihre Arbeit aufgenommen.
Seit Herbst 2025 gibt es zudem eine interdisziplinär besetzte STB-Task-Force, die zeitnahe Maßnahmen anschiebt.
Wie lange wird es dauern, bis die Untersuchung abgeschlossen ist?
Das ist schwierig zu sagen und liegt nicht in unserer Hand: Es muss so gründlich wie nötig und so schnell wie möglich geschehen. Das ist auch für den Schwäbischen Turnerbund von großem Interesse! Die unabhängige Arbeitsgruppe des Landessportverbands Baden-Württemberg ist im Sommer 2025 gestartet.
Seit Herbst 2025 gibt es zudem eine interdisziplinär besetzte STB-Task-Force, die zeitnahe Maßnahmen anschiebt.
Was sagt der STB zu dem Vorwurf, dass Missbrauch im Deutschen Turnsport ein „systematisches Problem“ ist?
Der Schwäbische Turnerbund kann zum Bundesstützpunkt in Stuttgart Stellung nehmen. Derzeit ist der STB dabei, ein breites Spektrum an Einsicht in das Vorwurfsgeschehen und die dahinter liegenden Abläufe zu gewinnen. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Hier bittet der STB, das Ergebnis des angestoßenen Prozesses abzuwarten.
Kunst-Turn-Forum Stuttgart
Wieso entscheiden die Trainer, ob eine Turnerin turnen kann oder nicht. Sollte das nicht ein Arzt tun?
Dies kann so nicht mehr stattfinden heutzutage! Die medizinische Steuerung und Weisungsbefugnis wurden von den Trainerinnen und Trainern an eine übergeordnete Person übertragen.
Wieso hat der STB erst so spät auf die Vorwürfe am Kunst-Turn-Forum reagiert?
Die anonymisierte Meldung des Deutschen Turner-Bunds Stuttgart ging beim Schwäbischen Turnerbund im September 2024 ein. Diese wurden gemäß dem für solche Fälle festgelegten Interventionsleitfaden aufgearbeitet bzw. werden es zurzeit.
Welche Geldgeber hat der Bundesstützpunkt Gerätturnen weiblich und männlich in Stuttgart
Der Bundesstützpunkt wird von folgenden Partnern unterstützt: Deutscher Turner-Bund, Land Baden-Württemberg und Landeshauptstadt Stuttgart.
Wie findet die Personalauswahl beim STB bzw. im Kunst-Turn-Forum statt?
Trainer-Einstellungen und/oder Vertragsverlängerungen werden beim STB nicht anhand der Kaderplätze der Turnerinnen und Turner entschieden, sondern anhand der Qualifikation und Eignung.
Stimmt es, dass in der Vergangenheit Verletzungen von Turnerinnen nicht nach außen dringen sollten. Falls ja, warum ist das so?
Generell sind Gesundheitsinformationen vom Schutz des Persönlichkeitsrechts umfasst und der Schwäbische Turnerbund ist daher rechtlich verpflichtet, mit deren Preisgabe sehr zurückhaltend zu sein. Derartige Informationen können beispielsweise nicht ohne Einwilligung der Betroffenen kommuniziert werden.
Welche Auflagen müssen Trainer im STB erfüllen?
Es gibt folgende Vorgaben: Unterzeichnung Ehrenkodex, Unterzeichnung Verhaltensregeln, Unterzeichnung Erklärung zum Antikorruptionsgesetz, Vorlage erweitertes polizeiliches Führungszeugnis (alle 2 Jahre), Unterzeichnung Anti-Doping-Erklärung, mindestens Trainer-B-Lizenz.
Zahlen, Daten, Fakten zum Kunst-Turn-Forum
Das Kunst-Turn-Forum wurde im Jahr 1999 eröffnet. Aktuell trainieren circa 65 Turnerinnen und Turner im Alter von sieben bis 31 Jahren dort. Insgesamt gibt es 14 Trainerstellen.




