Einen Salto würde Dr. Daniel Rapp gerne können, kann er aber leider nicht. Zumindest auf einem Trampolin würde er sich einen „Front Flip“ zutrauen. Das Flugelement symbolisiere für den Ravensburger Oberbürgermeister „Körperbeherrschung und Körperspannung“, jedoch hat der 54-Jährige nie einen Salto ausprobiert. Schlicht und einfach, weil ihm der sportliche Ehrgeiz im turnerischen Bereich gefehlt hat. Diesen fand er dafür zu seiner Schulzeit in der Leichtathletik. Die Sprintstrecken, vor allem die längeren, waren sein Zuhause. Seine Lieblingsdistanz: die 400 Meter.
Aus dem früheren Leichtathleten ist mittlerweile ein Oberbürgermeister von Ravensburg in dritter Amtszeit geworden. Auffällig dabei: die regelmäßigen Verbindungen zum Sport.
„Große Mitgliedsvereine sind der Schlüssel“
„Seine“ Stadt hat bereits mehrmals ein Turnfest ausgetragen: zuletzt 2024 das denkwürdige wegen Hochwasser abgebrochene Landesturnfest sowie 2025 das Landeskinderturnfest. Interessanterweise sei die Idee für solche Veranstaltungen gar nicht vom 54-Jährigen ausgegangen, sondern von den hiesigen Vereinen. „Ein paar Vertreter unserer Sportvereine haben die Idee an mich herangetragen“, erzählt der OB. Rapp, der sich selbst sich als „Bauch-Politiker“ bezeichnet und Entscheidungen schnell aus dem Bauch heraus trifft, zögert keine Sekunde und gibt seine Zusage.
Für den in Erlangen geborenen Rapp war die Sachlage eindeutig gewesen: Ravensburg ist geübt in Sachen (Groß-)Veranstaltungen. Jedes Jahr findet etwa das Laufevent „Ravensburg läuft“ mit Tausenden Teilnehmenden statt. Und jedes Jahr stemme die Stadt das Event ausschließlich mit ehrenamtlicher Unterstützung.
Dieses sportliche Engagement macht den OB enorm stolz. Insgesamt fast die Hälfte der Bevölkerung ist Mitglied in umliegenden Sportvereinen. In den (Sport-)Vereinen sieht der 54-Jährige auch den Schlüssel für die Zukunft von kommunalen Sportveranstaltungen. Die großen Mitgliedsvereine müssen „Bock haben“ und mitziehen, „das ist der Türöffner“. Dann würde kein OB dieser Welt Nein zu einem Sportereignis sagen. Vor allem nicht zu Turnfesten. Diese, so der OB, seien der Inbegriff für Leidenschaft für Bewegung: „Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene erleben so viele schöne Dinge und gehen mit fantastischen Gemeinschaftserinnerungen nach Hause.“
Neben den Mitgliedsvereinen haben diese unvergesslichen Turnfest-Erlebnisse aber auch mit dem Schwäbischen Turnerbund zu tun. Obwohl sich Rapps Erlebnisse mit dem STB prinzipiell auf die Turnfeste beschränken, nimmt er den schwäbischen Fachverband als „extrem professionell“ und „flexibel“ wahr. Vor allem letzterer Punkt ist dem 54-Jährigen nachhaltig in Erinnerung geblieben beim wegen Hochwassers abgebrochenen Landesturnfest 2024. „Diese schwere Entscheidung, das Turnfest abzubrechen, haben sowohl wir als Stadt gemeinsam mit dem STB in kürzester Zeit getroffen und nach außen hin einheitlich getragen“, erklärt der OB. Dieser gemeinsame Nenner und die gemeinsame Linie haben dem Ravensburger Oberhaupt sehr imponiert.
Pro Olympia
Wenig überraschend, dass der Politiker ein Befürworter von Olympischen Sommerspielen in Deutschland ist. Die Austragung hätte Symbolcharakter für die Gesellschaft, ist Rapp überzeugt: „Wir glauben an Deutschland, wir glauben daran, so etwas zu organisieren.“ Für ihn wird daher die Diskussion um einen deutschen Ausrichter falsch geführt: Es sollte nicht darum gehen, wer die Spiele ausrichten soll, sondern welche Stadt den größten „Reparaturbedarf“ hat. Denn durch eine solche Großveranstaltung biete sich für den Ausrichter die Möglichkeit, seine Infrastruktur zu modernisieren, Wohnungen zu bauen und für einen Impact auf vielen Ebenen auszulösen.
Diesen Gedankengang würde er ganz selbstverständlich auch von sich verlangen, etwa, wenn eine potenzielle Gartenschau ins Haus fallen sollte. Der 54-Jährige würde dann dankend ablehnen und diese Großveranstaltung anderen Kommunen „abgeben“, die einen „größeren Reparaturbedarf“ hätten.
Notwendige Selbstdisziplin gefunden
Die eigene Verbindung zum Sport musste Rapp nach seiner Schulzeit über die Bundeswehr und den späteren Einstieg in die Politik erst einmal für sich ausloten. Inzwischen hat er sie in Form von Fitnessübungen gefunden. Mit dem eigenen Körpergewicht trainiert der 54-Jährige regelmäßig zu Hause in seiner Garage. Liegestütz, Klimmzüge oder auch Dips stehen dreimal die Woche für rund 20 Minuten auf dem Plan. Weniger aus Leidenschaft, sondern mehr wegen ästhetischen Gründen.
Wenn es die Zeit dann aber mal doch zulässt, geht der Politiker gerne Fahrrad fahren. Ein Hobby, dass ihm ermöglicht, größere Strecken zurückzulegen und dabei die Natur zu genießen. Und manchmal sogar unentdeckte Flecken in „seinem“ Ravensburg aufzuspüren. „Erst neulich war ich an einem Punkt in Ravensburg, wo ich davor noch nie gewesen bin – das ist verrückt“, kann es Rapp nach wie vor kaum glauben.
Im Gegensatz zum 54-Jährigen beklagen viele seiner Politiker-Kollegen kaum Zeit für Sport und körperliche Aktivität. Was sagt Rapp dazu? Worin liegt sein Geheimnis? „Ich halte das oft für eine Ausrede, wenn die Leute sagen, sie haben keine Zeit für Sport.“ Der OB hält dagegen: Die Zeit müssten sich die Leute einfach nehmen. In seinen Augen sei das eher eine Frage von „Selbstüberwindung“. Das untermauert eine simple Rechnung: „Jeder Mensch, egal ob DAX-Unternehmer oder Arbeitsloser, hat am Tag 24 Stunden Zeit“, bilanziert Rapp. Es liege an einem selbst, diese Zeit so einzuteilen, dass mal irgendwo „eine Stunde frei“ wird. Ob am Morgen, in der Mittagspause oder am Abend.
Desinteresse ist ganz normal
Diese pragmatische Einstellung zum Sport charakterisiert auch Rapps Sicht auf seinen Berufsalltag: Darunter fallen nämlich nicht nur willkommene Sportveranstaltungen, die immer ein sehr dankbares Thema seien. „Du gehst auf die Bühne, erklärst die Veranstaltung für eröffnet und zeigst die positiven Wirkungen von Sport auf“, sagt Rapp. Zu seinem Alltag gehören viele weitere Themen. Diese Vielfalt machen seinen Job aus und für den Politiker zu seinem „Traumberuf“.
Dennoch ist sich der 54-Jährige bewusst, dass die Bevölkerung sich für viele Themen gar nicht interessiere. „Wir müssen von unserem Anspruch herunterkommen, dass Leute unsere Arbeit für spannend erachten“, stellt Rapp klar. Stattdessen müssen sich alle klar machen, dass sich Leute für Kommunalpolitik interessieren, wenn sie selbst betroffen sind: „Die haben ihre eigenen Sorgen.“ Dieses Wissen störe den OB aber keineswegs: „Ich will n‘ guten Job machen und die Stadt voranbringen.“

