Gerade deshalb ist es aus unserer Sicht wichtig, die aktuelle Diskussion auf Grundlage der tatsächlichen Fakten zu führen.
Zunächst möchten wir ausdrücklich festhalten, dass sich diese Beschwerde nicht gegen eine kritische Berichterstattung richtet. Die Entwicklung der jüngsten Berichterstattung in einem einzelnen Medium nehmen wir aber mit besonderer Verwunderung wahr. Nach unserer Auffassung wurde hier der journalistisch saubere Pfad verlassen. Dem treten wir entschieden entgegen.
Dazu gehört zunächst die Feststellung, dass die arbeitsgerichtlichen Verfahren gegen ehemalige Trainerpersonen nicht mit gerichtlichen Urteilen, sondern mit Vergleichen beendet wurden. Die Verfahren haben weder zu einer gerichtlichen Bestätigung noch zu einer gerichtlichen Widerlegung der gegen die Trainer erhobenen Vorwürfe geführt. Aussagen, wonach Trainer „freigesprochen“ worden seien oder die Vorwürfe gerichtsfest widerlegt worden wären, werden der tatsächlichen Rechtslage aus Sicht des STB nicht gerecht.
Ebenso wenig kann aus den geschlossenen Vergleichen abgeleitet werden, der Schwäbische Turnerbund habe die Verfahren „verloren“. Die Vergleiche ändern nichts an den Entscheidungen des Verbandes, die betroffenen Personen nicht mehr zu beschäftigen. Die Kündigungen beziehungsweise Trennungen bestehen in ihrer praktischen Wirkung fort. Die betreffenden Personen sind auch weiterhin nicht für den Schwäbischen Turnerbund tätig und werden dies auch künftig nicht sein.
Wichtig ist zudem: Die arbeitsgerichtlichen Verfahren hatten nicht die Aufgabe, die am Kunst-Turn-Forum Stuttgart beschriebenen Missstände umfassend aufzuklären oder zu bewerten. Diese Aufarbeitung reicht weit über arbeitsrechtliche Fragestellungen hinaus.
Teil der Faktenlage ist auch, dass zahlreiche aktuelle und ehemalige Turnerinnen in den vergangenen Jahren Missstände im Trainingsumfeld geschildert haben. Diese Berichte waren ein wesentlicher Anlass dafür, dass Veränderungen eingeleitet, Strukturen überprüft und personelle Entscheidungen getroffen wurden. Die Erfahrungen dieser Athletinnen dürfen in der öffentlichen Diskussion nicht ausgeblendet werden.
Hinzu kommt, dass die Vorgänge nicht abschließend aufgearbeitet sind. Nach Kenntnis des STB dauern staatsanwaltschaftliche Ermittlungen weiterhin an. Unabhängig von deren Ausgang zeigt dies, dass die Situation weder rechtlich noch gesellschaftlich abschließend bewertet ist.
Der Schwäbische Turnerbund respektiert unterschiedliche Sichtweisen auf die Ereignisse der vergangenen Jahre. Gleichzeitig halten wir es für notwendig, dass die Diskussion die Gesamtheit der bekannten Tatsachen berücksichtigt. Dazu gehören die Erfahrungen der betroffenen Athletinnen ebenso wie die Verantwortung der Verbände für sichere und förderliche Rahmenbedingungen im Leistungssport.
Unser Ziel bleibt unverändert: eine konsequente Aufarbeitung, die Stärkung des Vertrauens in den Turnsport und die Weiterentwicklung einer Kultur, in der Leistung, Respekt, Verantwortung und Athletinnenwohl gleichermaßen im Mittelpunkt stehen.
Markus Frank (Präsident Schwäbischer Turnerbund)
und
Matthias Ranke (Geschäftsführer Schwäbischer Turnerbund)

