Als ehemaliger Schwimmer liegt die Verbindung von Markus Krautter zum Turnsport nicht direkt auf der Hand. Doch über seine beiden Kinder, die früher turnten, hat sich das geändert. Einen Salto kann er deswegen aber trotzdem nicht. „Dazu hatte ich nie die Motivation“, erklärt der 57-Jährige heute. Seit 2020 ist er mit seinem Autohaus Krautter in Untertürkheim, das er inzwischen in dritter Generation führt, beim Schwäbischen Turnerbund (STB) nicht mehr wegzudenken.
Seinen Anfang nimmt alles beim TSV Schmiden, wo seine Kinder jahrelang turnen. Sein Sohn hilft sogar noch heute noch aus, wenn Not am Mann ist. In Schmiden knüpft Krautter erste Kontakte zum STB. Aus einer Bekanntschaft entwickelt sich eine Zusammenarbeit. Krautters Team unterstützt den Fachverband inzwischen seit fünf Jahren mit Fahrzeugen, wo sie können. Das 1934 gegründete Autohaus stellt Fahrzeuge hauptsächlich für die TurnGala zur Verfügung. Die Flottenzahl hänge immer davon ab, wie viele Wagen zur Verfügung stehen, was der Markt so hergibt, erklärt der gebürtige Stuttgarter.
Diese Art der Unterstützung beschreibt der Autohausinhaber als „Herzensangelegenheit“. Hilfe könne auch schon mal kurzfristig sein, wenn etwa Funktionäre vom Flughafen abgeholt werden müssen. Alles wird im Bereich des Möglichen möglich gemacht.
Kritik für fehlende Konzepte
Krautters Engagement wirkt umso beeindruckender, da er selbst Teil der aktuellen, schwierigen Zeiten der Automobilbranche ist. Wo die Kaufkraft nachlässt, Innovationen fehlen und Auflagen die Entfaltung erschweren. Auch beim 57-Jährigen gehen die negativen Entwicklungen an die Substanz: „Für die Stadt Stuttgart ist es natürlich eine Katastrophe, dass es den großen Firmen nicht gutgeht – wie etwa Porsche und Daimler.“ Der gelernte KFZ-Betriebswirt kritisiert dabei nicht die Ansätze zur nachhaltigen Mobilität, sondern die viel zu große Apathie in der Region. „Seit Jahren schauen wir offenen Auges zu, wie unsere Region immer mehr an Bedeutung verliert“, prangert er an.
Das Auto dürfe nicht in Verruf geraten, weil es nun mal die Geschichte Stuttgarts sowie Deutschlands geprägt hat, fordert er und schiebt hinterher: „Das Auto muss mitgedacht werden.“ Autofreie Innenstädte gerne, aber mit der Möglichkeit, das Auto an logistisch klugen Punkten abzustellen. „Der Kofferraum ist der vergrößerte Einkaufswagen der Kunden“, erklärt Krautter weiter. Diese Tatsache zu ignorieren, sei blauäugig. Am Ende würden die Innenstädte die Zeche zahlen. Schon heute sind viele Zentren „tot“. Familiengeführte Firmen sind die extreme Ausnahme.
Zudem appelliert der 57-Jährige auch an den gesunden Menschenverstand bei Debatten zu Nachhaltigkeit und Umweltschutz: „Das Auto ist nicht an allem schuld!“ Gerade beim Thema Feinstaub verweist er etwa auf die Reifenbranche. Der Trend gehe immer mehr zu Ganzjahresreifen. Zwar benötige ein Auto dadurch nur einen Satz an Reifen. Diese nutzen sich aber viel schneller ab und produzieren mehr Abrieb. Darüber rede aber niemand, wundert sich der Inhaber. Deshalb will er weg von „Affektreaktionen“ und wieder hin zu ganzheitlichen Entscheidungen. Positionen einnehmen und vertreten. Stuttgart darf und soll „Ja“ zum Auto sagen und es klug ins gesellschaftliche Leben einbinden. Mobil, nachhaltig und gesellschaftsverträglich.
Schwacher medialer Stellenwert
Durch seine Kinder wurde aus dem Turnsport eine Sportart, die ihm „sehr ans Herz gewachsen“ ist. „Ich liebe es, als Gast bei der TurnGala oder beim DTB-Pokal zu sein“, sagt Krautter. In diesem Zusammenhang bedauert er die den schwachen medialen Stellenwert des Turnsport. Selbst während den Olympischen Spielen 2024 in Paris bezeichnet er die Zusammenfassungen vom Turnen als „unterirdisch“. Die Übungen und Küren würden dem Zuschauenden so nicht ansatzweise nähergebracht. Stattdessen springen die Perspektiven von einem Element zum nächsten. Das werde der Sportart nicht gerecht.
Für den Inhaber stehe der STB für Menschen. Menschen, mit denen der Stuttgarter auf einer Wellenlänge agiert. Die Leidenschaft für Bewegung teilen. Speziell vor Augen hat der KFZ-Betriebswirt, wenn er an den STB denkt, die regionalen Kindergruppen der TurnGala an den jeweiligen Standorten: „Ich sehe ganz viel Begeisterung in den Gesichtern, wenn sie jubelnd die großen Arenen erturnen dürfen.“ Es sei toll, die unterschiedlichsten Kinder zu erleben. Kleinere, größere, schlankere, fülligere. Jedes Kind erlebt seinen besonderen Moment in Bewegung. Diese Bilder haben sich bei Krautter eingebrannt. Umso mehr stimmen ihn die Anfang des Jahres aufgekommenen negativen Schlagzeilen über den STB sehr traurig. Denn das, wofür der Fachverband steht, verlieren die Menschen total aus den Augen: Leidenschaft für Bewegung.
Autohaus breit aufgestellt
Nach seinem Bürojob im Autohaus holt sich der Stuttgarter im eigenen Garten sowie beim Wandern und Fahrradfahren den nötigen Ausgleich. Dieser sei auch zwingend notwendig als Puzzlestück zu seinen Schreibtischtätigkeiten. Langeweile kommt bei letzterem aber keineswegs auf, dafür bietet das Autohaus ein breites Portfolio an Dienstleistungen an. Neben dem regulären Autoverkauf konzentriert sich das Team im Autosegment seit 2022 auch auf Carsharing. Obendrein setzen Krautter und Co. aufs Fahrrad. 2012 wurde das Räderhotel sowie der Service rund ums Rad erweitert, sechs Jahre später ist sogar eine Fahrrad-Service-Station entstanden.
Das spiegelt die Denkweise im Autohaus extrem gut wider: Das eine machen und das andere nicht lassen. Krautter sieht im Fahrrad ein zentrales Mobilitätsmittel. Aber eben eins von mehreren. Deshalb bedient er weitere Bereiche, um das Thema Verkehr und Transport in neuen Bahnen zu denken. Wenn es schon die Region für seinen Geschmack zu langsam angeht.
Mehrgleisig fährt der Autohausinhaber aber nicht nur beruflich, sondern auch privat. Er ist seit mehr als 30 Jahren in der Kirche aktiv, engagiert sich seit mehr als zehn Jahren im bundesweiten Händlerverband und war als Vorsitzender im örtlichen Schul- und Gewerbeverein umtriebig.
Wie er das alles bewerkstellig? „Auch wenn meine Zeit knapp ist, versuche ich so weiterzumachen, weil für mich nur so eine Gesellschaft funktionieren kann.“

