Wenn sie nicht gerade auf Skitour ist, dann wandert die Tübingerin gerne.

Persönlichkeit: Die Sportentwicklerin unterwegs auf allen Ebenen

In der Septemberausgabe des STB Magazins wird dieses Mal Christine Vollmer porträtiert. Sie leitet die Fachabteilung Schule und Sport der Stadt Tübingen und hat beim STB lange Jahre als Vizepräsidentin gearbeitet.

„Nein“, einen Salto schafft Christine Vollmer heute nicht mehr. Das hat sie ohnehin früher auch nur auf einem großen Trampolin probiert. Dort aber mit Erfolg – sowohl vor- als auch rückwärts.

Obwohl sie im Kindesalter geturnt hat, bezeichnet sich die 58-Jährige selbst nicht als „große Turnerin“. Gerade rhythmische Abläufe mit Turnelementen sagen ihr nicht so sehr zu, dafür aber die Sprungdisziplinen. Nach den ersten Erfahrungen im Kinderturnen wechselt die gebürtige Tübingerin irgendwann in die Leichtathletik und von da später zum Volleyball.

Der Sport begleitet sie auch danach auf Schritt und Tritt. Nach der Schule fängt Vollmer 1985 an, Sportpädagogik auf Diplom an der Universität Tübingen zu studieren und schließt 1991 das Studium ab. Sie muss in der Ausbildung in vielen Sportarten ihr Können beweisen. So auch im Turnen.

Einer ihrer Dozenten zur damaligen Zeit ist der legendäre Kurt Knirsch. Später wird aus ihrem Sportdozenten ihr Schwiegervater. Turnen bleibt für sie dennoch nur ein „Ausbildungs- und Pflichtfach“. Das bedeutet aber nicht, dass sie die Sportart nicht mag. Keineswegs! „Turnen ist die allerbeste Sportart als Grundausbildung für Kinder“, unterstreicht sie.

Die Verbindung zum STB

Obgleich die 58-Jährige in Tübingen verwurzelt ist, war sie von 1991 bis 2006 im Sportamt in Stuttgart hauptberuflich aktiv. In dieser Zeit entsteht die intensive Verbindung zum Schwäbischen Turnerbund. 2003 wird sie dann ins Amt der Vizepräsidentin beim Schwäbischen Turnerbund gewählt. Sie kümmert sich insgesamt sieben Jahre um die Belange „Gesellschaftspolitik und Soziales“. Dabei vordergründig um die Themen Vereinsentwicklung, Sportentwicklung, Zukunftsorientierung sowie den Gesundheits- und Fitnessbereich.

Nach einer Ehrenamtspause von sieben Jahren folgt 2017 der Wechsel zum Württembergischen Landessportbund (WLSB). Dort ist sie bis heute als Vizepräsidentin für Sportentwicklung engagiert.

Gestiegene Wertschätzung

Vollmer stellt fest, dass in der allgemeinen Verbandsarbeit „wieder verstärkt der Blick auf innere Strukturen und Wertschätzung sowie Anerkennung des ehrenamtlichen Engagements“ gelegt wird. Dennoch müssen „die Herausforderungen der sichtbar gewordenen zunehmenden Individualisierung und Anspruchshaltung weiterhin auch im Sport angenommen und wirksame Strategien entwickelt werden“.

Um die Herausforderungen anzugehen, sieht die 58-Jährige im STB mit seinen Turngauen „einen der wichtigsten Verbände, um Kindern und Jugendlichen die motorische Grundlagenausbildung mithilfe von zahlreichen Möglichkeiten für den Freizeit -und Breitensport zu vermitteln. Außerdem habe er „eine hervorragende Leistungs- und Spitzensportstruktur von Talentsichtung/-förderung bis hin zur Unterstützung von Kaderathleten“. Dem STB mit seinen Turngauen gelinge es, die Werte des Sports wie Toleranz, Teamfähigkeit, Demokratiebildung zu leben und zu vermitteln.

Nachholbedarf sieht die Tübingerin – wie bei allen Verbänden und Vereinen – aber in der Gewinnung von ehrenamtlich Aktiven. Wichtig ist es laut Vollmer, die Strukturen in den Vereinen so weiterzuentwickeln, dass es klappt, die ehrenamtliche Arbeit attraktiv und machbar zu gestalten, damit Menschen Freude daran haben, sich zu engagieren. Dazu gebe es bereits gelungene Beispiele.

„Strukturen aufbrechen“

„Gezielte Ansprache von Kandidaten“ lautet der Lösungsansatz der 58-Jährigen. Gerade heutzutage, wo jeder und jede seine Freiheiten haben möchte, sei es umso wichtiger, an mögliche geeignete Personen direkt heranzutreten. Andererseits gibt sie zu bedenken, dass die viel gescholtene jüngere Generation gar nicht so untätig ist. Vielmehr nimmt sie auch die Älteren in die Pflicht, mit Nachsicht zu agieren und sich vorzustellen, „wie man selbst als junger Mensch gedacht hat“. Da komme man schnell auch an den Punkt, dass man sein Leben genießen wollte, ohne sich unnötig Arbeit aufzubürden.

Diese Sichtweise gelte es laut Vollmer zu berücksichtigen, um im nächsten Schritt, „die alten Strukturen aufzubrechen und Ämter neu zu vergeben sowie die Rahmenbedingungen an die potenziellen Kandidaten anzupassen“. Nur dann sei es möglich, ihr Credo umzusetzen: „Ehrenamt muss Freude bringen!“

Unterstützung für die Vereine

Seit 2006 hat sie die Leitung der Fachabteilung Schule und Sport in Tübingen inne. Die etlichen Pendelfahrten ins Geschäft ins Stuttgarter Sportamt sind also Geschichte. Seitdem kann die 58-Jährige gemütlich hinradeln.

Ihre Aufgabe ist es, den Sport in Tübingen und insbesondere die Vereine zu unterstützen, qualitativ gute Angebote für alle Bürger zu ermöglichen. Dazu gehört eine gute Sportinfrastruktur, eine gute Sportangebotsstruktur sowie die entsprechenden Organisationsstrukturen. Dies reiche beispielsweise von einem „Vereinsgutschein für Vierjährige“ über die Schwimmunterstützung der Grundschulen, die Unterstützung von innovativen Vereinsprojekten – wie gemeinsame Sportbauprojekte von Vereinen bis hin zu offenen Sport- und Bewegungsangeboten für Ältere in Kooperation mit Vereinen.

In den Bergen unterwegs

Früher vor allem in Vereinen aktiv, zieht es die Tübingerin heute mit ihrem Ehemann in die Berge zum Wandern. In ihrem Alltag nimmt sie sich außerdem immer wieder Auszeiten, damit der sportliche Ausgleich nicht zu kurz kommt. So dreht sie in der Sommerzeit früh morgens regelmäßig eine kleine Joggingrunde. Regelmäßig auch in der Mittagspause mit ihren Tübinger Kollegen. Gerne baut sie unterwegs auch kurze Gymnastikphasen ein, das brauche ihr Körper inzwischen einfach, gibt Vollmer ohne Umschweife zu. Dabei erinnere sie sich noch gut an ihren Anfang des Jahres verstorbenen Schwiegervater Kurt Knirsch. Die STB-Turnlegende hatte bis ins hohe Alter täglich Gymnastik gemacht. Die heute 58-Jährige belächelte das oft. Heute nicht mehr: Knirsch wusste, was er tat. „Das Dehnen ist wichtig geworden und tut einfach gut“, sagt die Tübingerin.

Müsste sie sich also für ein Turngerät entscheiden, welches würde sie wählen?

„Ich entscheide mich für den Stufenbarren. Er steht sinnbildlich für Kreativität, Präzision, Geschwindigkeit, verschiedene Elemente miteinander zu verbinden und zu einem gelungenen Gesamtbild zu führen.“ Vergleichbar mit ihrer Laufbahn – sowohl beruflich als auch privat. Vollmer hat zahlreiche Einblicke in (Sport-)Themen gesammelt und versucht das seitjeher in ein stimmiges Gesamtbild für alle beteiligten Akteure zu verpacken.

 

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