Das Vorstandsteam des Turngau Ostwürttemberg ist gut aufgestellt. Die vier Mitglieder sind komplett gleichberechtigt.

Turngauporträt: Viel Bewegung im Osten

Im Jahr 1864 gegründet, gehören dem Turngau Ostwürttemberg 151 Vereine an. In der Februarausgabe des STB-Magazins wird er näher vorgestellt.

Unter dem Namen „Turngau Braunenberg“ wurde der heutige Turngau Ostwürttemberg im Jahr 1864 gegründet. Das 150-Jahr-Jubiläum liegt also schon ein Jahrzehnt zurück. Wie der Name bereits sagt, liegt der Turngau am östlichen Rand des STB-Gebiete und umfasst den Ostalbkreis sowie den Landkreis Heidenheim mit Ausnahme von zwei Gemeinden. Die größten Städte nach Aalen sind Schwäbisch Gmünd und Heidenheim.

Das größte sportliche Aushängeschild des Turngaus ist derzeit der TV Wetzgau aus Schwäbisch Gmünd. Die Männer standen Anfang Dezember erst im Finale um die Deutsche Meisterschaft, wo nur Serienmeister KTV Straubenhardt eine Nummer zu groß war. „Doch es gibt noch viel mehr Spitzensport im Turngau Ostwürttemberg“, betont Bernhard Elser, der Vorsitzende Wettkampfsport und Vorstandssprecher. Zum einen innerhalb des TV Wetzgau selbst, dessen Damen und zweite Herrenmannschaft jeweils in die 3. Bundesliga aufgestiegen sind.

Die Frauen des Heidenheimer SB turnten viele Jahre in der 2. Bundesliga. Nach vielen Abgängen konnte 2023 in der 3. Bundesliga keine Mannschaft mehr gestellt werden, das Team soll nun aber in der Regionalliga wieder neu aufgebaut werden. „Etliche weitere Mannschaften aus dem Turngau Ostwürttemberg sind zudem in den Ligen darunter aufgestiegen. Außerdem zählt der TV Röhlingen im Rope Skipping zu den Top-Vereinen in Baden-Württemberg und war zum Beispiel 2022 bei der Europameisterschaft vertreten. Der TGV Horn gehört zu den führenden Mannschaften im Orientierungslauf. Und auch in der Rhythmischen Sportgymnastik gibt es mehrere Vereine mit vielen hervorragenden Talenten“, zählt Elser auf.

Besondere Auszeichnung

Einige Besonderheiten hat der Turngau Ostwürttemberg mit seinen Veranstaltungen zu bieten. „Auf unserer jährlichen Ehrungsfeier werden nicht nur drei Teams und zehn Einzelpersonen ausgezeichnet. Wir haben zudem das Novum des ,Gläsernen Turners‘, das ist ein Wanderpokal, der immer an eine besondere Person im Ehrenamt geht“, erklärt Elser. Zudem gibt es noch die Auszeichnung „aktiver Verein“, die jedes Jahr die Vereine und Abteilungen erhalten, die sich durch besonders hohe Teilnehmerzahlen und Erfolge bei Wettkämpfen und Veranstaltungen oder durch großes ehrenamtliches Engagement auszeichnen. Über ein spezielles Punktesystem werden die jeweiligen Preisträger hier ermittelt. Ungewöhnlich ist auch der Bolheimer Senioren Hallen-3-Kampf. Bei dieser Veranstaltung wählen die Teilnehmer je drei Disziplinen aus Boden, Barren, Stufenbarren, Sprung, Mini-Trampolin, Reck, Balken/Bank, Seitpferd, Kugelstoß, Standweitsprung und Rope Skipping aus. „Da steht dann mehr der Spaß im Vordergrund“, weiß der Vorsitzende.

Zuletzt wieder deutlicher Anstieg

Wie überall und nicht nur im Turnen sind im Laufe der Coronazeit auch im Turngau Ostwürttemberg die Mitgliederzahlen zurückgegangen. Doch gab es zuletzt wieder einen deutlichen Anstieg von rund 1400 Mitgliedern innerhalb eines Jahres. „Insbesondere die Aktion ,Ostalb bewegt Kinder‘ mit der Zielgruppe Kindergarten- und Vorschulkinder hat hierzu beigetragen“, sagt Elser, der die breitensportlichen Aktivitäten insgesamt im Turngau Ostwürttemberg hervorhebt. „So stößt zum Beispiel unser ,fit und gesund‘ Kongress jedes Jahr auf große Resonanz.“

Veranstaltungen wie die MovEvent Dance Night des TSV Böbingen oder der jährliche Gauturntag runden das Angebot ab, ebenso wie das Gaukinderturnfest, die Spielfeste oder die Turni Tobi Hallen-Events im Nachwuchsbereich. „Wir haben noch einen kompletten Jugendvorstand – das kann nicht jeder Turngau im STB von sich behaupten“, hebt der Vorsitzende hervor, der übrigens als Vorstandssprecher nur insofern eine besondere Funktion hat, als er eben das Sprachrohr des Vorstands ist. „Ansonsten sind wir vier absolut gleichberechtigte Vorstandsmitglieder, jeder mit seinem eigenen Aufgabenbereich“, betont er. Diese eher ungewöhnliche Konstellation hat sich 2019 ergeben, als der langjährige Vorsitzende Karlheinz Rößler sein Amt abgab. „Nachdem die Suche nach einem Nachfolger vergeblich war, haben wir zunächst interimsweise alle vier die Führung übernommen“, so Elser. Und das funktioniert seither so gut, dass man diese Konstellation mittlerweile in der Satzung verankert hat.

Fester Bestandteil der nationalen Spitze

Das Jahr 2010 ist ein Meilenstein für die Turnabteilung des TV Wetzgau. Denn da wurde das Turn- und Bewegungszentrum eröffnet – eine rein auf das Turnen ausgerichtete Halle mit fest installierten Geräten, zwei Schnitzelgruben und quasi allem, was ein Turnerherz höher schlagen lässt. „Von der Halle träume ich schon mein halbes Leben“, sagte seinerzeit Otto Bauer, über Jahrzehnte hinweg die treibende Kraft im Wetzgauer Turngeschehen. „Otto Bauer hat viele Jahre hart um diese Halle gekämpft“, sagt Paul Schneider heute.

Schneider ist seit 1990 beim TV Wetzgau und hat als Abteilungsleiter und Haupttrainer quasi das Erbe von Otto Bauer angetreten. Und waren die Turner aus dem Stadtteil von Schwäbisch Gmünd schon zuvor einige Jahre in der Bundesliga vertreten, so sind sie durch die optimalen Bedingungen mittlerweile nicht mehr aus der nationalen Spitze wegzudenken. 2013 wurde der TVW sogar Deutscher Meister, zuletzt stand man Anfang Dezember im Finale, unterlag dort aber dem übermächtigen Serienmeister KTV Straubenhardt. „In Straubenhardt turnt ja quasi die Nationalmannschaft. Die sind nur zu schlagen, wenn sie Fehler machen. Aber es ist schon unser Ziel, dass wir irgendwie mal wieder den Titel holen“, so Schneider.

Nachwuchsarbeit im Fokus

Um die Basis dafür zu schaffen, wird großer Wert auf die Nachwuchsarbeit gelegt. „Die Halle wird fast ausschließlich vom TV Wetzgau genutzt. Lediglich einen Tag in der Woche können auch andere Gmünder Turnvereine hier trainieren. „Und einmal im Monat haben wir den Turngautag, an dem Vereine aus dem Turngau Ostwürttemberg sich anmelden können, um das Turn- und Bewegungszentrum zu nutzen“, erklärt Schneider. Viele Talente werden somit hier entwickelt. „Den Aufstieg in die 1. Bundesliga haben wir damals fast ausschließlich mit Eigengewächsen geschafft. Mittlerweile hat sich das Niveau aber so gesteigert, dass keine Mannschaft mehr ohne auswärtige Turner auskommt. Doch wir werden immer wieder Eigengewächse in die erste Mannschaft einbauen“, erläutert Schneider die Vereinsphilosophie.

Wie gut diese funktioniert, zeigt die Erfolgsbilanz des Jahres 2023: „Da sind wir ja nicht nur mit der ersten Mannschaft Deutscher Vizemeister geworden. Die zweite Mannschaft ist in die 3. Bundesliga aufgestiegen, die dritte Mannschaft ist in die Landesliga aufgestiegen. Bei den Frauen ist unsere Nachwuchsmannschaft Württembergischer Meister geworden, die Kreisliga-B-Mannschaft ist aufgestiegen, die Bezirksligamannschaft ist in die Landesliga aufgestiegen, und auch die Regionalligamannschaft hat den Sprung in die 3. Bundesliga geschafft“, zählt Schneider auf – und ordnet diese Bilanz sogar noch höher ein als das Jahr 2013 mit dem Deutschen Meistertitel, „weil wir jetzt in der gesamten Breite des Vereins erfolgreich waren“.

Für Paul Schneider ist der TV Wetzgau mittlerweile ein Lebenswerk – ähnlich wie für seinen Vorgänger Otto Bauer. „Für mich ist das Hobby und Beruf zugleich. Und es macht mir nach wie vor einen Riesenspaß.“ Was man nicht zuletzt daran sieht, dass er sich auch in verschiedenen Beiräten und Ausschüssen noch ehrenamtlich für das Turnen engagiert. „Aber ich habe jetzt lange den Wagen gezogen, langsam muss ich daran denken, das Ganze irgendwann so in andere Hände übergeben zu können, dass der Wagen reibungslos weiterrollt.“

weitere News

Gotthardt und Kevric für die Turn-EM nominiert

Der Lenkungsstab des Deutschen Turner-Bundes hat die Frauen-Riege für die Turn-Europameisterschaften, die vom 2. bis 5. Mai 2024 in Rimini (ITA)...

Weiterlesen

Pusch mit gutem Ergebnis beim Weltcup in Sofia

Die STB-Athletin hat beim Weltcup im bulgarischen Sofia mit den Keulen einen starken zwölften Rang erturnt.

Weiterlesen

DTL: Seitz feiert Comeback

Der TSV Tittmoning-Chemnitz hat beim Saisonauftakt der Bundesliga am Samstag in Ketsch die Tabellenführung übernommen. Im Rennen gegen den...

Weiterlesen