Der Turngau Heilbronn hat viele spannende Veranstaltungen zu bieten: Wie etwa die "1. Soireé der Bewegung", die dieses Jahr im Juni - nach vier Jahren Pause - stattgefunden hatte. Foto: Turngau Heilbronn

Turngauporträt: Großer Gau, viel Kooperation und viele Erfolge

Im Jahr 1862 gegründet, gehören dem Turngau Heilbronn 110 Vereine an. In der Oktoberausgabe des STB-Magazins wird er näher vorgestellt.

Sieben Jahre lang hatte der Turngau Heilbronn keinen Präsidenten, bis Steffen Meißner im vergangenen Jahr ein Einsehen hatte und sich zur Wahl stellte. Erst einmal als stellvertretender Präsident, im Dezember 2022 wurde er dann durch den Hauptausschuss zum Präsidenten gewählt. Die Beweggründe für seine Wahl: „Wir haben einfach zu wenig im Turngau gemacht.“ Deshalb habe er sich trotz seines Berufs und seiner zwei Kinder auch für das Amt entschieden.

Für den Turngau ein Glücksgriff! Mit seinen knapp 42 000 Mitgliedern, 18 000 davon Kinder und Jugendliche, und 110 Turnvereinen gehört er zu den größten und auch ältesten im STB-Gebiet. Von Zaberfeld im Süden bis Möckmühl im Norden grenzt er an die Turngaue Hohenlohe, Rems-Murr und Neckar-Enz.

Erfolgreiche Geschichte

Zu den Aushängeschildern im Turngau gehört allen voran die TG Böckingen mit dem aktuellen Europameister am Boden Milan Hosseini. Im Nachwuchsbereich zählt die zehnjährige Emma Drautz zu den aussichtsreichsten Talenten. Milan und Emma stünden beispielshaft für die sehr gute Nachwuchsarbeit, sagt Meissner. Er lobt die TG mit Trainerin Annett Wiedemann für die langjährige hervorragende Arbeit.

Das Geheimnis der Erfolge liegt an den Kooperationen, erklärt der Präsident. Heilbronn habe es früh verstanden, durch gezielte Zusammenarbeit die Nachwuchsarbeit voranzutreiben. Mit dem Bündeln von Expertise haben am Ende die Vereine profitiert. Diese Vorgehensweise praktiziert der Turngau bereits sehr mehr als 50 Jahren. Angefangen hatte es mit dem Zusammenschluss der TSG Heilbronn und der Neckarsulmer Sportunion. Die Verantwortlichen verfolgten damit das Ziel, sportlich erfolgreicher zu sein und auf diese Weise den Sprung in die Bundesliga zu vollziehen, wo sie sich auch einige Jahre erfolgreich behaupteten.

1996 ist als turngauübergreifende Kooperation die KTV Heilbronn gegründet worden. Die Kunstturnvereinigung funktionierte nah am normalen Turnverein, verfügte aber über mehr Ressourcen, eine feststehende Halle und qualifizierte, hauptamtliche Trainer. Die KTV war für all die Athleten gedacht, die in ihren Heimatvereinen nicht weiter gefördert werden konnten.

Von KTV zu KTT

Doch die Erfolgsgeschichte geriet irgendwann ins Stocken. Streitigkeiten innerhalb des Vereins sorgten dafür, dass sich die weibliche Abteilung aus der KTV zurückzog und bei der TG Böckingen eine Zuflucht fand. Die Kunstturnvereinigung war somit nur noch männergeprägt. Erneut schaffte Heilbronn den Sprung in die Bundesliga, durfte sogar unter anderem gegen Turnstar Fabian Hambüchen antreten. Das Märchen währte aber nicht lange. Die finanziellen Belastungen der 1. Bundesliga überforderten das Budget, der Turngau zog 2018 die Reißleine und zog die Mannschaft zurück.

Im Schatten der Profis entwickelte sich die zweite Mannschaft prächtig. Sie durchlief alle STB-Ligen und schaffte 2022 den Aufstieg in die 3. Bundesliga. Sie starten unter dem Namen Kunstturnteam Heilbronn (KTT), das 2015 als Nachfolge zur KTV gebildet wurde. Seit April dieses Jahres ist auch wieder ein Damenteam Teil des KTT.

Der Turngau hat aber viel mehr zu bieten als nur Gerätturnen. Insgesamt sind neun Sportarten vertreten. Auch da gibt es immer wieder Erfolgsgeschichte zu vermelden. Wie zuletzt etwa bei der Weltmeisterschaft im Rope Skipping im amerikanischen Colorado Springs, bei der der Turngau mit zwei Athleten ebenfalls erfolgreich vertreten war. Ronja und Sarah Höfers aus Bad Friedrichshall gewannen in ihrer Paradedisziplin Wheel Pair Freestyle die Silbermedaille.

Darüber hinaus unterscheidet den Gau auch altertümliche Sportangebote wie etwa das Steinstoßen. Besonders interessant: In dieser nicht-alltäglichen Sportart zählen Tochter Katharina und Mutter Ulrike Schiele zu den erfolgreichsten Werferinnen in ganz Deutschland.

Lange Zeit auch für gute Ergebnisse gesorgt, haben die Orientierungsläufer des Gaus. Nachdem jedoch der Sportliche Leiter vor einigen Monaten aus Altersgründen aufgehört hat, ist die Abteilung eingebrochen. Präsident Meissner „brennt das unter den Nägeln“.

Ehrenamtliche dringend gesucht

Abgesehen von den sportlichen Interessen des Gaus brennt es Meissner aber noch in einem anderen Bereich unter den Nägeln: beim Ehrenamt. Der Familienvater appelliert an die Gesellschaft: „Wir müssen dringend daran arbeiten, neue Leute zu akquirieren.“ Die Situation sei nämlich alles andere als komfortabel. Wie es sich für einen großen Gau gehört, veranstaltet die TG viele Events, für die jedoch auch viele Helfer benötigt werden. Das Gleiche gilt auch für Trainer und Übungsleiter. Die Wartelisten in Heilbronn und der Umgebung seien rappelvoll und es können nicht alle motivierten Bewerber versorgt werden.

Deshalb ist es ihm wichtig, rechtzeitig den mahnenden Zeigefinger zu heben: „Wir sprechen immer von ökologischer Nachhaltigkeit und das ist auch richtig so, aber die soziale dürfen wir auf keinen Fall aus den Augen verlieren.“ Nur so ließe sich die einmalige deutsche Vereinslandschaft aufrechterhalten.

Obgleich der schwierigen Situation im Ehrenamt lässt sich der Turngau nicht unterkriegen. Die ersten Schritte haben Meissner und sein Team bereits gemeistert, der frische Wind habe merklich zugenommen. Der Präsident hoffe, dass sich der Gau in Zukunft wieder verstärkt Sportthemen widmen kann. Davon gibt es in Heilbronn einige. Etwa die Showbühne und die Soiree der Bewegung, in denen lokale Showgruppen ihr Können zeigen oder den „Well-Fitness-Tag“, der Jahr für Jahr für erwachsene Frauen stattfindet. In diesem Jahr waren Programmpunkte: Hullern, Pilates, Aroha im 3/4 Takt oder der Frühjahrsputz mit Putztüchern als Hand und Fußgerät. Neben den bekannten Wettkämpfen und Gau-Turnfesten versteht sich.

Um so viele Zielgruppen wie möglich abzudecken, ist der Turngau auch bereits in Planungen für ein weiteres Angebot: Das Seniorenfrühstück soll wieder eingeführt werden. Ob sich dadurch neue Ehrenamtliche gewinnen lassen, ist zwar noch unklar, aber der Turngau bemüht sich nach Kräften, weitere Angebote zu schaffen.

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