Voll in seinem Element: Michael Krüger beim Sportkongress 2009.

Persönlichkeit: Ein Leben für die Sportgeschichte

In der Oktoberausgabe des STB Magazins wird dieses Mal Dr. Michael Krüger porträtiert. Der promovierte Historiker agierte einige Jahre als STB-Vizepräsident und ist vor allem eine Koryphäe im Bereich der Sportgeschichte.

Dieses Mal: Prof. Dr. Michael Krüger – mit dem Nachtzug nach Helsinki

„Aus Sicherheitsgründen würde ich einen Salto jetzt nicht mehr riskieren“, sagt Prof. Dr. Michael Krüger, 68 Jahre jung und seit Sommer in Pension. Schaffen würde es der emeritierte Uniprofessor mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit. Denn er ist nach wie vor gut in Form: Das stellt er regelmäßig unter Beweis – so wie zuletzt, als er wieder Handstände gemacht hat.

Der 68-Jährige wirkt frisch und aktiv. Kein Wunder, hat er doch bis vor kurzem noch junge Menschen an der Universität Münster mit Schwerpunkt Sportpädagogik und -geschichte unterrichtet. In diesen Themenbereichen ist Krüger Experte, hat viele Publikationen herausgebracht. Immer mit dem Anspruch, die Turn- und Sportvereinslandschaft in verschiedenen Themenfeldern sowie in unterschiedlichen Ländern wissenschaftlich zu erforschen und auch in zahlreichen Schriften und Vorträgen zu diskutieren.

Turnen und Fußball

Angefangen hat alles in Heidenheim, wo er aufwächst. Heute ist Fußball die Sportart Nummer eins in seinem Heimatort. Der FCH ist seit dieser Saison in der Fußball-Bundesliga. Damals war Turnen und Gerätturnen angesagt. Die Turn- und Sportvereine in Heidenheim und ihren Vororten Schnaitheim und Mergelstetten hatten große Turnabteilungen mit vielen Kindern. Krüger entscheidet sich fürs Turnen. Auf seinem Weg lernt er unter anderem Kurt Knirsch, Robert Baur und Rudolf Spieth kennen. Die drei werden im Laufe der Jahre die jüngere Geschichte des Schwäbischen Turnerbundes prägen und den STB zu einer großen Marke im internationalen Turnsport machen. „Das damalige Niveau ist aber nicht mit dem heutigen Leistungssport zu vergleichen“, erklärt der 68-Jährige. Zu dieser Zeit trainieren sie drei Mal pro Woche, vielleicht auch viermal und am Wochenende gibt es Lehrgänge von Kunstturnwart Kurt Knirsch.  Viele Optionen haben die Turner aber nicht, ihr Können unter Beweis zu stellen. Das geht nur bei Turnfesten, erst später in der Turnliga, die in den 1970ern eingeführt wird.

Krüger und Co. erleben viele verrückte Momente. Etwa die Fahrt ins Trainingslager 1971. Das Ziel: Turku in Finnland unter Leitung von Kurt Knirsch. Mit von der Partie ist auch Robert Baur, der später Geschäftsführer des STB wird.  Die Fahrt mit dem Nachtzug nach Helsinki und Turku und das Trainingslager waren ein tolles Abenteuer, erinnert sich der Heidenheimer.

Fast Trainerlaufbahn eingeschlagen

Wegen Kurt Knirsch geht es für Krüger zum Studieren nach Tübingen. Knirsch arbeitet dort als Dozent für Turnen.  In dieser Phase lernt der Heidenheimer die Trainerseite im Turnen besser kennen. Er erwirbt die B-Lizenz und zieht in Erwägung, die A-Lizenz draufzulegen und als Trainer im Gerät- und Kunstturnen zu arbeiten.

Parallel zu Sport studiert er Pädagogik, Deutsch und Geschichte für das Lehramt an Gymnasien. 1982 schließt er seine dreigleisige Fächerkombination mit dem zweiten Staatsexamen ab, zwei Jahre später ist er Doktor in Geschichte. Alles deutet darauf hin, dass der promovierte Historiker in Tübingen Gymnasiallehrer wird.  Doch dann meldet sich der renommierte Sportwissenschaftler Ommo Grupe vom Sportinstitut in Tübingen, wo Krüger mit den Turnern aus Tübingen trainiert und in der neu gegründeten Bundesliga turnt. Grupe bietet Krüger eine Stelle als Wissenschaftlicher Assistent. Dort bleibt er, bis er 1999 einen Ruf als Professor für Sportwissenschaft nach Münster in Westfalen erhält.

Entenmann holt Krüger zum STB

Bevor seine Karriere in Münster richtig Fahrt aufnimmt, ist Krüger einige Jahre zuvor beim STB für Kommunikations- und Marketingangelegenheiten zuständig. Der Kontakt kommt über seinen Weggefährten Robert Baur zustande.

Es ist aber der ehemalige STB-Präsident Alfred Entenmann, der den Heidenheimer letztlich in den Verband holt. Krüger wird 1987 Vizepräsident des STB - zur gleichen Zeit ist Robert Baur als Geschäftsführer tätig. Nachdem Krüger 1987 sein Amt antritt, befindet sich die deutsche Sportvereinslandschaft sowie das gesamte Sportsystem in einem fragilen Zustand. Krüger und Co. gelingt es, den STB perspektivisch aufzustellen, wichtige Tendenzen zu erkennen und ihn dadurch konkurrenzfähig zu machen. „Jede Unterhaltung mit ihm ist eine persönliche Bereicherung“, sagt Baur. Die zwölf Jahre andauernde Zusammenarbeit habe den Verband „nach vorne gebracht“, ein  entscheidender Beitrag für die zukünftige Weichenstellung des STB.

Auch der 68-Jährige erinnert sich an diese Zeit gerne zurück. Für ihn stellt der STB noch immer eine zentrale Einrichtung dar, die besonders wichtig für die Aus- und Weiterbildungen von Übungsleitern in allen Gebieten des Turnens und Turnsports ist. Ganz gleich welche, jede Qualifikation sei wichtig, um Menschen Turnen, Spiel und Sport richtig zu vermitteln, ist der Sportpädagoge Krüger überzeugt.

Unermüdlicher Einsatz für die Sportgeschichte

Sein Engagement für die Geschichte kommt dabei nie zu kurz. Durch seinen unermüdlichen Einsatz gelingt es ihm, das Institut für Sportgeschichte Baden-Württemberg (IfSG) mit zu begründen. Das 1993 gegründete Institut mit Sitz in Maulbronn ist kein klassisches Archiv, sondern vielmehr eine Beratungsstelle für Vereine und Verbände. Sie können sich bei Fragen zu Jubiläen oder zu Festschriften an die Einrichtung wenden. Das IfSG sieht sich als „Mittler zwischen Kultur und Sport“, die die „gemeinsamen kulturellen Interessen des Sports in Baden-Württemberg vertritt“.

So begeistert der 68-Jährige von der Sportgeschichte auch erzählt, so nachdenklich sieht er die gegenwärtige Entwicklung. „Kein universitäres Sportinstitut in Baden-Württemberg beschäftigt sich noch professionell mit der Geschichte des Sports“, obwohl das öffentliche Interesse an Sportgeschichte groß ist.  „Bei unseren Nachbarn in Europa und auch international ist das anders“, sagt Krüger. Dort gelten Turnen und Sport als wichtiges kulturelles Erbe, das es auch zu pflegen gilt.  Mit Ausnahme einer Professur für „Olympic Studies“ gibt es in Deutschland keine Professur für Sportgeschichte an einer Universität. „Aus meiner Sicht hat sich die deutsche Sportwissenschaft von diesem Thema verabschiedet“, bedauert er.

Für Krüger macht diese Entwicklung aber keinen Unterschied: Seine drei ihn begleitenden Bausteine bleiben auch weiter an seiner Seite: Turnen, Schreiben und Lesen. Einzig die Gewichtung habe sich in den verschiedenen Lebensphasen unterschiedlich gestaltet. Das Turnen hat der 68-Jährige inzwischen durch Radfahren, Wandern und Joggen ersetzt. Dem turnerischen Motto bleibt er aber treu: „frisch, fromm, fröhlich und frei“.

Schreiben und Lesen gehören für den Historiker immer noch zu seinem Alltag. In den Verbänden und Vereinen bleibt er ehrenamtlich tätig, wird auch nach wie vor den ein oder anderen Vortrag halten sowie das ein oder andere Buch herausbringen.

Keine Abschlussarbeiten mehr

So viel Spaß ihm sein Berufsleben bereitet hat, so ist Krüger über eine Sache doch ein wenig froh: „Ich muss mir keine Gedanken über Seminare und Vorlesungen fürs neue Semester machen oder Abschlussarbeiten betreuen.“ Rund 500 Staatsexamens- und dann Bachelor- und Masterarbeiten hat der 68-Jährige in seinen fast 25 Berufsjahren als Professor in Münster betreut, abgesehen von den Arbeiten als Dozent und Wissenschaftlicher Assistent in Tübingen. Eine Zahl, über die der Historiker „selbst erschrocken“ ist, die ihn aber sehr gut charakterisiert: Beruf war für ihn Freizeit und nicht quantifizierbar. Also ändert sich auch jetzt im Ruhestand nichts, nur eben die Gewichtung seiner Interessen.

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