Deutsche Turner holen Olympiatickets

Am Ende freuten sich erfreulicherweise alle Mannschaften und Einzelstarter beim Testevent in Rio, die zu großen Teilen auch aus dem STB-Verbandsgebiet kommen, über die maximal möglichen Olympiastartplätze.

Von Start-Ziel-Sieg bis hin zum Lastminute-Erfolg, alles war dabei bei den olympischen Testevents der deutschen Turner in Rio. Schlussendlich durften sich aber erfreulicherweise alle Mannschaften und Einzelstarter, die zu großen Teilen auch aus dem STB-Verbandsgebiet kommen, über die maximal möglichen Olympiastartplätze freuen.

Den Anfang beim olympischen Testevent in Rio de Janeiro (Brasilien) machten die deutschen Gerätturner mit Andreas Bretschneider, Lukas Dauser, Philipp Herder, Marcel Nguyen, Ivan Rittschik und Andreas Toba sowie Ersatzturner Helge Liebrich. Mit 350,609 Punkten waren sie bereits nach zwei von drei Durchgängen nicht mehr von einem der ersten vier Plätze, die alle das Olympia-Ticket bedeuten, zu verdrängen. Am Ende sicherten sie sich vor der Ukraine (350,160), der Niederlande (347,444) und Frankreich (346,583) Rang eins. "Die Männermannschaft hat sich nach dem Dämpfer bei der WM in Glasgow wieder auf ihre alten Tugenden besonnen. Mit einer konzentrierten und stabilen Mannschaftsleistung haben sie die Konkurrenz souverän beherrscht und sich die Fahrkarte zu den Olympischen Spielen mit einer emotionalen Teamstimmung erkämpft. Top Einzelleistungen von Lukas Dauser und Marcel Nguyen am Barren und Andreas Bretschneider am Reck lassen uns positiv im Hinblick auf Finalchancen bei den Olympischen Spielen in die Vorbereitung auf das Großereignis gehen", erklärte DTB-Sportdirektor Wolfgang Willam.

Nur einen Tag nach den Männern sicherten sich auch die deutschen Frauen mit Tabea Alt, Maike Enderle (Ersatzturnerin), Leah Grießer, Pauline Schäfer, Sophier Scheder, Elisabeth Seitz und Pauline Tratz beim Olympischen Testevent mit einer souveränen Leistung die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016. Bereits nach drei von vier Durchgängen lagen die DTB-Frauen mit 223,977 Punkten hinter Brasilien auf Rang zwei des Klassements. Von dieser Platzierung wurden sie bis zum Schluss auch nicht mehr verdrängt, denn die noch ausstehenden Teams reihten sich hinter den deutschen Turnerinnnen ein.
Mit einer Punktlandung im wahrsten Sinne des Wortes folgte den Gerätturnern auch die Trampolinturnerin Leonie Adam vom MTV Stuttgart. Sie war die einzige Deutsche, die überhaupt noch die Chance auf ein Olympiaticket hatte und ergatterte sich dieses mit 96,305 Punkten. Im Gesamtklassement landete die 23-Jährige auf dem neunten Rang, was in der bereinigten Wertung Rang fünf und das Olympiaticket bedeutete. "Der Erfolg ist der schönste meiner Trainerkarriere, da ich nicht nur in der Funktion als Bundestrainer beteiligt bin, sondern seit vielen Jahren ihr als Heimtrainer zur Seite stehe. Unser langfristiger Plan sah die Qualifikation zu den Olympischen Spielen 2020 vor. Dass es jetzt schon gereicht hat, ist einfach fantastisch und spricht für das große Talent von Leonie", sagte nach dem Wettkampf ihr Bundestrainer Michael Kuhn stolz.

Vor allem schreibt Kuhn den Erfolg aber einer fokussierten und konzentrierten Vorbereitung auf die Großereignisse auf dem Weg dort hin zu. Unter anderem habe sich Leonie im mentalen Bereich weiter gesteigert. Dazu hat sie sich einen (Sport)psychologen gesucht, den sie aus eigener Tasche finanziert hat, nachdem das Engagement mit dem Klaus Egert von Seiten des DTB beendet wurde.

"In einer Sportart, in der Entscheidungen, die über Sieg und Niederlage innerhalb einer Millisekunde getroffen werden müssen und höchste Konzentration und Präzision gefragt ist, ist mentale Stärke und Selbstvertrauen unerlässlich", sagte Kuhn und fügte weiter hinzu: "Große Unterstützung erfuhren wir unterdessen vom Sportdirektor des STB, Michael Breuning, und von Seiten des Olympiastützpunktes in Stuttgart."

Noch knapper als auf dem Trampolin ging es in der Rhythmischen Sportgymnastik im Einzel zu. Jana Berezko-Marggrander musste nach Ende des Wettkampfs (66,074 Punkte) und Platz acht in der bereinigten Wertung lange auf die erlösende Nachricht warten. Grund dafür war, dass dieser Rang eigentlich nicht ausreichend für die Olympischen Spiele war. Aufgrund der IOC-Regel um den Tripartite-Platz hat diese Platzierung jedoch trotzdem noch gereicht, um den deutschen Olympia-Startplatz zu sichern. Und diese Nachricht lies eben lange auf sich warten. Als es dann aber offiziell war, jubelte die 20-Jährige umso mehr. „Das ist der Wahnsinn. Ich danke allen, die mich dabei unterstützt haben, dieses Ziel zu erreichen“, sagte sie.

Die zweite deutsche Starterin Laura Jung (TV St. Wendel), die wie Jana Berezko-Marggrander am Bundesstützpunkt in Fellbach-Schmiden trainiert, landete mit 64,733 Punkten im Gesamt-Klassement auf dem 14. Platz. Das Testevent hatte Melitina Staniouta (Weißrussland) mit 72,215 Punkten gewonnen. Die Weißrussin hatte sich allerdings bereits bei der Gymnastik-WM in Stuttgart für die Olympischen Spiele qualifiziert und startete deshalb außer Konkurrenz.

Am Abschlusstag des olympischen Testevents wurde es dann wieder entspannter. Die RSG Gruppe Deutschland löste ganz souverän das Olympiaticket. Die Formation aus dem Nationalmannschaftszentrum in Fellbach-Schmiden sorgte noch einmal für einen Höhepunkt aus deutscher Sicht. Denn sie gewann mit 33,183 Punkten sogar den Wettbewerb gegen Vertreterinnen aus sechs Nationen und versetzte damit die übrigen Delegationsmitglieder auf der Tribüne in Jubelstürme. Zur Gruppe gehörten in Rio: Anastasija Khmelnytska, Daniela Potapova, Julia Stavickaja, Sina Tkaltschewitsch, Rana Tokmak, Natalie Hermann.

Der DTB kehrt damit mit einer Maximalquote an Olympiastartplätzen aus Brasilien zurück. Die deutschen Trampolin-Männer hatten sich leider zuvor schon aus dem Kandidatenkreis verabschiedet.

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