Outdoor-Sport beim MTV Stuttgart. Foto: MTV Stuttgart

Karsten Ewald: Wir sind vorbereitet.

Dr. Karsten Ewald ist seit 1999 Geschäftsführer des MTV Stuttgart. Er setzt sich für die Wünsche seiner Mitglieder ein und versucht gemeinsam mit seinem Team das beste aus der Situation zu machen.

Wie setzt ihr eure Angebote im Freien um?
Wir haben zwei große Anlagen, die wir nutzen können. Der Sportplatz wird in sechs Segmente unterteilt und für verschiedene Fitness-Angebote genutzt. Jedes Segment hat dabei über 1000 m2. Vom Land wird vorgeschrieben, dass maximal fünf Personen auf einer Fläche von 1000 m2 trainieren dürfen. Die Teilnehmerzahl ist also sehr begrenzt. Zwischen den Übungseinheiten sind 10 Minuten Pause vorgesehen, damit sich die Mitglieder beim Wechsel nicht zu nahekommen. Ebenso haben wir Laufwege markiert. Auf weiteren Freiplätzen trainieren die verschiedenen Abteilungen, wie zum Beispiel Handball, Basketball, Badminton, Sportgymnastik und viele mehr. Alle Indoor-Sportarten, die nach draußen verlegt werden können, haben wir nach draußen verlegt. Sportarten, die größere Geräte benötigen, beschränken sich derzeit auf Ausdauer- und Krafttraining im Freien.

Wie wichtig ist Bewegung in Bezug auf die Gesundheit momentan und wieso?
Sport und Bewegung sind starke Gesundheitsfaktoren, die uns jetzt erst einmal genommen wurden. Es ist ein großer Unterschied, ob wir in der  Gruppe oder allein trainieren. In der Gruppe zu trainieren  ist gesundheitsfördernder als allein, da es regelmäßiger gemacht wird, wir motivierter sind und disziplinierter. Das Gemeinschaftsempfinden ist ein starker Gesundheitsfaktor, nicht nur physisch, sondern auch psychisch. In der Gruppe fühlen wir uns wohler, sind zufriedener. Oft wird der Sport aber nur auf das körperliche beschränkt, was schade ist. Die Krise trifft somit nicht nur die Vereine, sondern auch die Gesundheit aller. Zur Gesundheit tragen viele unterschiedliche Faktoren bei – zum Beispiel Emotionalität, mentale Gegebenheiten, Gemeinschaftsempfinden, Geselligkeit oder gemeinsam aktiv sein.

Was sind mögliche Folgen für Patienten, die jetzt so lange nicht trainieren konnten?
Die Auswirkungen können erheblich sein. Besonders in den Reha-Orthopädie-Gruppen ist das Training enorm wichtig. Die muskuläre Balance ist schnell weg, die Patienten fallen dadurch zurück und haben Schmerzen. Die Patienten müssten also zuhause etwas tun oder noch besser sehr schnell zurück in die Betreuung. Auch nach einem Schlaganfall ist es unbedingt notwendig, dass die Patienten betreut werden. Wochenlange Pausen haben negative und schädliche Auswirkungen.

Bietet ihr dann jetzt auch Reha- und Präventionskurse als Outdoorkurse an?
Ja, wir bieten auch Reha- und Präventionskurse an. Wir versuchen aus unserem gesamten Repertoire etwas anzubieten, so dass für jeden etwas dabei ist. Denn gerade ältere Menschen brauchen eigentlich ganz normale Angebote in den Hallen, mit allen  Zuspruchs- und Korrekturmöglichkeiten durch unsere erfahrenen Fachübungsleiter. Über das Internet erreicht man diese Zielgruppe nicht oder nur sehr schwer.

Welche Tipps könnt ihr anderen Vereinen geben?
Die Tipps sind leider begrenzt. Der einzige Tipp ist, dass man sich an die Verordnungen hält und sich frühzeitig auf kommende Verordnungen vorbereitet. Fängt man mit der Planung weiterer Schritte erst an, wenn die Verordnung gültig ist, ist es oft schon zu spät. Wir arbeiten jetzt schon an Konzepten für Indoor-Angebote.

Wie wird es in den nächsten Wochen weitergehen?
Wie es in den nächsten Wochen weitergehen wird, weiß niemand. Unsere Möglichkeiten sind begrenzt und sind immer von den politischen Vorgaben abhängig Wir wollen aber immer das Maximale von dem tun, was möglich ist. Wir sind deshalb bereits heute auf weitere Lockerungen vorbereitet. Es wäre schön, wenn wir in absehbarer Zeit wieder Sport in der Halle anbieten können.

Was sind eure Wünsche für die nächsten Monate?
Wir werden starke Einbrüche in den Mitgliederzahlen haben, wenn wir nicht in absehbarer Zeit wieder in der Halle trainieren dürfen. Derzeit haben wir 9150 Mitglieder, könnten aber prognostisch aufgrund der Krise 1000 Mitglieder verlieren, vor allem deshalb, weil wir seit Monaten kaum noch Neuanmeldungen verzeichnen. Dies könnte nur dann abgemildert werden, wenn wir wieder in die Hallen dürften. Die Mitgliederverluste in diesem Jahr werden uns noch lange Zeit verfolgen. Wegen des Basiseffektes rechnen wir allein dadurch mit jeweils sechsstelligen Mindereinnahmen in den nächsten Jahren.

Um möglichst viele eurer Mitglieder zu halten, habt ihr nach der Schließung der Sportstätten schnell agiert  und Online-Kurse angeboten. Worauf wird hier der Fokus gelegt?
Für unsere Mitglieder geben wir unser Bestes, um ihnen ein ansprechendes Ersatzprogramm zu bieten. Wir mussten leider die Hälfte unserer 48 hauptberuflichen Lehrkräfte und Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Alle Lehrkräfte, die noch arbeiten dürfen, haben wir dann gebeten, ihre Kurse aufzunehmen und den Mitgliedern auf YouTube zur Verfügung zu stellen. Wir möchten unseren Mitgliedern mit den Videos ein heimisches Gefühl geben. Sie sollen sich wohl fühlen und das erreichen wir durch die bekannten Gesichter der Lehrkräfte. Es ist den Lehrkräften überlassen, wie die Videos aussehen, denn wir verlassen uns darauf, dass sie am besten wissen, was unsere Mitglieder wollen. Dabei ist die Qualität dann auch zweitrangig, sodass jeder einfach mit seinem Handy filmen kann. Wir haben mit derzeit rund 150 Videoclips ein buntes Sport- und Bewegungsprogramm  ins  Netz  gestellt. Es ist wirklich für jeden etwas dabei.

Wer oder was ist die treibende Kraft im Prozess?
Die treibende Kraft ist die Geschäftsleitung. Ich bin der Geschäftsführer des MTV Stuttgarts und gemeinsam mit meinen Stellvertretern sind wir operativ im Einsatz. Wir sind zum Glück ein starkes und gut aufgestelltes Team, um die Umsetzung unserer Online-Angebote und jetzt auch der Outdoor-Angebote voranzutreiben.

 

Das Outdoor-Sportangebot findet ihr auf der Webseite des MTV Stuttgarts.

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