Michaela Böhme, Referentin zum Thema Ehrenamtsförderung beim Schwäbischen Turnerbund.

Wie Vereine Funktionäre finden

Die Suche nach Ehrenamtlichen gestaltet sich für Vereine immer schwieriger. In einem Workshop des Schwäbischen Turnerbunds gab Michaela Böhme dazu Tipps in Dietenheim.

Unter dem Titel „Vorstände gesucht“ lud der Schwäbische Turnerbund zu einem Workshop nach Dietenheim. Dieser gehört zur dezentralen Reihe „Ehrenamtsförderung“ in Zusammenarbeit mit den Turngauen des Verbands. Da die meisten Sportvereine über eine Turnabteilung verfügen, sprach der Workshop in Dietenheim ein breites Spektrum Interessierter an.

Ihr Workshop „Vorstände gesucht“ in Dietenheim war gut besucht. Was lag den Vereinen besonders am Herzen?
Die Vereine erkennen zwar ihr Problem, dass es schwer ist, einen Nachfolger für ein Amt zu bekommen. Allerdings sehen sie nicht, dass das nur die Spitze des Eisbergs ist. Dann heißt es nur, dass es kaum mehr Menschen gebe, die bereit sind, ein Amt zu übernehmen.

Stimmt das denn nicht?
Ich würde sagen, es stimmt nur zum Teil. Es gibt vielleicht weniger, aber durchaus eine ausreichende Anzahl, die bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren. Nur tun sie das nicht mehr unbedingt aus Pflichtgefühl, sondern eher, weil sie Lust darauf haben, etwas Positives zu begleiten.

Was machen die Vereine denn dann falsch?

Falsch ist etwas hart ausgedrückt. Ich würde eher sagen, sie könnten einiges einfach besser machen. Beim Workshop in Dietenheim fiel beispielsweise der Begriff „lebenslänglich“. Das ist natürlich ein schlechtes Image. Wer möchte sich jetzt schon dazu verpflichten, etwas „lebenslänglich“ zu machen. Und wenn die Leute kein Amt übernehmen wollen, könnte man auch mal schauen, ob für alle Tätigkeiten überhaupt ein Amt benötigt wird. Für manches lässt sich auch eine Projektgruppe gründen. Die Mitglieder beteiligen sich zeitlich befristet, und wenn es Spaß gemacht hat, machen sie bestimmt wieder etwas.

Ist es also der Spaß, der fehlt?
Wer sich in seiner Freizeit ehrenamtlich engagiert, möchte natürlich auch Spaß an seinem Tun haben. Zudem suchen solche Menschen aber auch die Gemeinschaft, wollen Nutzen stiften und haben den Wunsch nach Mitgestaltung und Anerkennung. Für ihr Handeln brauchen sie die Sicherheit durch transparente Rahmenbedingungen. Daher kommen Vereine, die umdenken, einfach schneller zum Ziel. Daher stellt sich aus meiner Erfahrung heraus ein Erfolg automatisch ein, wenn die Vereinsverantwortlichen nicht nur den Bedarf des eigenen Vereins sehen, sondern sich auch in die Rolle und die Bedürfnisse von ehrenamtlich Engagierten versetzen können.

Das hört sich danach an, dass die Probleme der Vereine vielschichtiger sind, als die reine Suche nach einem Nachfolger für ein Amt.
Ja, das ist oftmals der Fall. Es geht bei solchen Workshops also darum, die Funktionäre dafür zu sensibilisieren, sich frühzeitig mit dem Thema zu beschäftigen. Es ist nämlich oft recht komplex.

Sie geben in ganz Württemberg solche Workshops. Sind die Probleme in Dietenheim die gleichen wie an anderen Orten?
Es sind absolut die gleichen Probleme, die die Vereine in dieser Thematik umtreiben. Darüber gibt es auch schon Studien, die belegen, dass die Tendenz überall die gleiche ist.

Welche Veränderung in Vereinen halten Sie denn für besonders wichtig?
Wenn die Vereine das Problem erkennen, ist schon der erste und wichtigste Schritt getan. Dann geht es darum, den eigenen Verein genau unter die Lupe zu nehmen. Drei Leitfragen bringen einen da schon ein gutes Stück weiter: Welches Ziel haben wir? Ist unsere Struktur dafür geeignet? Und welche Kultur besteht im Verein?

Können Sie dazu vielleicht kurze Beispiele nennen?
Viele Vereine haben nur das Ziel, wettkampforientierten Sport anzubieten. Dabei spielt beispielsweise der Gesundheitsaspekt eine immer bedeutendere Rolle. Oft fehlen für Ämter Aufgabenbeschreibungen und zeitlicher Aufwand. Das machte es natürlich nicht leicht, sich dort zu engagieren. Manchmal stimmt auch die Kommunikation innerhalb des Vereins nicht mehr. Aber ein gutes Wir-Gefühl stärkt die Lust darauf, sich in einem Verein zu engagieren.

Und wie geht es dann weiter?
Ab da beginnt es, von Verein zu Verein sehr individuell zu werden. Nach dem Überprüfen der Organisation des Vereins sollten Wege erarbeitet werden, vom Ist-Zustand in den gewünschten Zustand zu kommen. Darunter kann beispielsweise fallen, die Vorstandsarbeit neu zu organisieren und transparenter für alle zu gestalten. So werden die Mitglieder mehr eingebunden und fühlen sich dadurch dem Verein natürlich auch verbundener. Anerkennung für Unterstützung zu geben, fördert das noch weiter, so dass eine noch größere Freude am ehrenamtlichen Engagement entsteht. So wird schließlich auch Außenstehenden vermittelt: Das ist ja toll, da möchte ich auch mitmachen.

Gibt es neben den großen Vorzeigevereinen mit ihren bezahlten Kräften auch kleinere Vereine, die diesen Weg mit Erfolg gegangen sind?

Absolut. Es zeigt sich dabei, dass dies Vereine sind, die weg gekommen sind von dem einen Vordenker, der alles entscheidet. Projekte werden gemeinsam erarbeitet und beschlossen – ein echter demokratischer Prozess.

Das Interview führte Johannes Braun, Südwest Presse

 

Die nächsten Workshops:

Workshop „Engagement und Engagierte – ja es gibt sie noch“

21. Februar 2018: Turngau Staufen

GymNet-Nr.: PS-92-6000-0-0623/18

 

„Vorstände gesucht!“

18. April 2018: Turngau Ostwürttemberg

GymNet-Nr.: PS-89-6000-0-0182/18

 

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>> Alle Infos rund um das Thema Ehrenamt und die Ausrichtung eines Workshops.

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