Vor allen Dingen im Vereins-Nachwuchs schlägt die Corona-Krise zu und bringt große Mitgliederverluste mit sich. Foto: Michael Joos

STB-Vereine verlieren mehr als 30 000 Mitglieder

Wie zu befürchten war, geht die Corona-Pandemie auch an den Turn- und Sportvereinen im Verbandsgebiet des Schwäbischen Turnerbunds (STB) nicht spurlos vorbei: Nach Abschluss der Bestandserhebung steht ein Minus von rund 32 000 Mitgliedern im Vergleich zum Vorjahr zu Buche – besonders stark ist der Rückgang bei den Jüngsten.

Der Schwäbische Turnerbund bleibt mit seinen 683 339 gemeldeten Mitgliedern in den 1770 Vereinen größter Sportfachverband in Baden-Württemberg, muss aber einen erheblichen Verlust beklagen. „Es hätte sicherlich schlimmer ausfallen können, allerdings ist ein Minus von rund 4,5 Prozent im Durchschnitt ein klares Zeichen, welchen Schaden die einschneidenden Maßnahmen im Kampf gegen das Corona-Virus im Sportsystem angerichtet haben und weiterhin anrichten“, sagt Markus Frank, Präsident des Schwäbischen Turnerbunds.

Besonders auffällig: Wie in vielen anderen Bereichen trifft es auch im Sport ebenfalls die Jüngsten besonders hart. Allein in der Altersgruppe von 0 bis 6 Jahren fehlen im Vergleich zum Vorjahr rund 15 000 Vereinsmitglieder. „Das entspricht einem Minus von 15 Prozent in diesem Alterssegment und ist eine große Bürde für die zukünftige Arbeit unserer Turn- und Sportvereine. Wer den Einstieg in frühen Jahren in das Vereinsleben verpasst, findet später deutlich schwerer dazu. Das ist nicht nur für den Verein vor Ort ein Problem – nachhaltig leiden die Menschen und die gesamte Gesellschaft unter den daraus möglichen folgenden negativen Effekten: Denn gemeinschaftliche Bewegung im Verein ist eine der wichtigsten Grundlagen für ein langes und vor allen Dingen gesundes Leben“, erklärt Matthias Ranke, Geschäftsführer des STB.

Welche Auswirkungen der Lockdown im Sport auf den Kinder- und Jugendbereich hat, wird auch der Fitnessbarometer 2021 der Kinderturnstiftung Baden-Württemberg aufzeigen, der am Mittwoch (9. Juni) veröffentlicht wird. Er entsteht jährlich in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Klaus Bös und dem Forscherteam um Dr. Claudia Niessner des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) durch die anonymisierte Auswertung der Initiative „Turnbeutelbande -  Motorik-Test für Kinder“ und untersucht die Fitness der Kinder in Baden-Württemberg. 

„Es ist zu befürchten, dass diese Verluste nur die Spitze des Eisbergs sind und die Mitgliederzahlen, speziell der Kinder und Jugendlichen, auch in den kommenden Jahren eher stagnieren. Durch die Maßnahmen gegen die Pandemie ist auf der anderen Seite ein Schaden entstanden, dessen wirkliches Ausmaß wir im Zweifel erst in ein paar Jahrzehnten wirklich benennen können“, sagt Markus Frank und führt weiter aus: „Umso wichtiger ist es, dass jetzt, da die Infektionszahlen deutlich gesunken sind, schnelle Öffnungsschritte der Politik kommen. Ohne Wenn und Aber! Hierbei richten wir besonders an die Kommunen einen Appell: Diese sollten ihre Sportstätten auch in den bevorstehenden Sommerferien öffnen – sofern das vor Ort von den Turn- und Sportvereinen angefragt wird.“
 

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