STB trauert um Kurt Knirsch

Wenige Stunden vor dem Turnhighlight EnBW DTB Pokal in Stuttgart hat die STB-Familie eine traurige Nachricht erreicht. Im Alter von 92 Jahren ist die Turn-Koryphäe Kurt Knirsch verstorben.

Kurt Knirschs Lebensleistung in nur einem Wort zu beschreiben, ist schlichtweg nicht möglich. In seiner Karriere war er als Buchautor, als Dozent an der Universität Tübingen, als STB-Ideengeber auf allen Ebenen und als Turnexperte beim TB Kirchentellinsfurt (TBK), seinem Heimatverein, aktiv.  Im TBK engagierte er sich schon in jungen Jahren. Dabei spielten für ihn die koordinative und konditionelle Entwicklung der Kinder im Gerätturnen eine wichtige Rolle. Zudem wird die kognitive und konzentrative Leistungsfähigkeit positiv beeinflusst. Bis vor wenigen Jahren war er dort noch als Trainer aktiv. Erst im Alter von 88 Jahren hängte er seine Turnsachen an den Nagel.

Kurt stammt aus Lindenberg im Allgäu. Der junge Knirsch selbst war ein Könner. Er war mehrfacher Württembergischer Meister, gehörte zum Kreis der Nationalmannschaft. 
Nach seinem Studium an der Deutschen Sporthochschule in Köln, bei Carl Diem und der Turnlegende und späterem Leiter der Deutschen Turnschule Adalbert Dickhut,
holte in Rudolf Spieth nach Esslingen. Spieth, Fabrikant, ehemaliger DTB-Kunstturnwart und von 1957 bis 1980 Mitglied des Turn-Weltverbands (FIG) und von 1970 bis 1978 auch STB Vorsitzender war für ihn ein väterlicher Freund. Er fand eine Lehrerstelle am Theodor-Heuss-Gymnasium in Esslingen und baute in den 1960er Jahren beim damaligen TSV 1845 Esslingen eine Gruppe junger Turner auf, die auf Landes- und Bundesebene erfolgreich war. Parallel entstand dort ein erster Landesstützpunkt, wo er an den Wochenenden die Besten des Landes betreute. In jungen Jahren, vor seinem Wechsel ins DTB-Internat 1968, war dort auch Eberhard Gienger einer der regelmäßigen Teilnehmer. 

„Du bist dynamisch, manchmal recht aufbrausend, aber du bist nicht stehen geblieben und hast dich weiterentwickelt“, charakterisierte ihn der ehemalige STB-Präsident Rainer Brechtken einmal. Und auch der ehemalige Präsident, Wolfgang Drexler, konnte sich an die Trainingseinheiten unter der STB-Turnikone noch gut erinnern. Vor allen Dingen an Knirschs menschliche Seite. Wenn sich jemand bemüht und engagiert hat, dann hat er diesen nach seinen Fähigkeiten gefördert. Ob turnerischer Laie oder Weltklasse – die Könnensstufe spielte keine Rolle. 

Schon sehr früh hat Kurt Knirsch damit begonnen, die biomechanischen Hintergründe des Turnens zu ergründen. An einer Künstlerpuppe aus Holz hat er die verschiedenen Bewegungen nachgestellt. Als Abstraktion daraus entstanden die Reihen mit Strichmännchen. In unzähligen Lehrbüchern zerlegte er so die kompliziertesten Übungsteile in einzelne Abschnitte und machte sie so einfach verständlich. Sogar ins Chinesische und Hebräische wurden diese Werke übersetzt. 

Mit dem Beginn des Aufbaus des Leistungssports im Lande wurde Kurt Knirsch 1970 Kunstturnwart. 1976 rückte er als Lehrwart und später Sportwart ins Präsidium auf und war von 1986 bis zu seinem freiwilligen Ausscheiden im Jahre 2005 STB-Vizepräsident. Vom Landesturntag 2006 wurde er für seine herausragenden Verdienste zum Ehrenmitglied gewählt.

Die Entwicklung des Leistungssports im Lande war ihm ein besonderes Anliegen. Beginnend mit der Talentförderung im Jahr 1970 und als Nachfolger von Rudolf Spieth, Mitglied des Landesausschusses für Leistungssport LAL, in dem er 24 Jahre mitarbeitete, war er  für alle Verbände ein kompetenter und geschätzter Vertreter.  Das Thema motorische Grundlagenausbildung war eine Herzensangelegenheit von Kurt. So war er maßgeblicher Initiator bei der Gründung der Kinder-Turn- und Sportschule, heute KISS, und später auch der Turn-Talentschulen. Die Ausbildung von Gerätturn-Lehrern in Zusammenarbeit mit der Sportschule Kiedaisch setzt die Reihe der Entwicklungen fort. Mit Kurt Knirsch an der Spitze wurden neue Wege im Bau von Gerätehallen, Leistungszentren und deren Ausstattung bestritten. Mit seiner Initiative, viel Engagement und Durchhaltevermögen wurden die Landesleistungszentren Ostfildern-Ruit (Turnen und Trampolin), Rhythmische Sportgymnastik (RSG) Fellbach-Schmiden sowie das Kunst-Turn-Forum (KTF) gebaut. Nachdem Ruit als Stützpunkt aufgegeben wird, kann er nun leider den Spatenstich des neuen Trampolinzentrums als Teil des KTFs, sein letzter großer Wunsch, jetzt nicht mehr miterleben. 

STB hat mit Kurt Knirsch im Jahr 1970 im Leistungssport eigentlich bei null begonnen und ist heute mit vier Bundesstützpunkten, vielen nationalen und internationalen Titeln sehr erfolgreich!

Auf Bundesebene war er viele Jahre für das Lehrwesen im Bundeskunstturnausschuss zuständig, er war Mitglied im DTB-Fachausschuss, zudem Motor der Aus- und Fortbildung von Trainern und stand für neue Wege im Gerätturnen. International wurde er auch von der FIG geschätzt und hat über Jahrzehnte, meist sogar in seinen Ferien,  Trainerlehrgänge in aller Welt erfolgreich durchgeführt. Besonders ans Herz gewachsen war ihm die Mitwirkung beim Aufbau des Turnens in Israel. 

Aufgrund seiner hervorragenden Lehrarbeit, auch der  Umsetzung in den schulischen Alltag und seine in der Fachwelt anerkannten Publikationen  wurde er 1973 von Professor Ommo Grupe, Leiter des Instituts für Sportwissenschaften der Universität Tübingen verpflichtet. Damit war er für die Ausbildung vieler Generationen von Sportlehrern im Bereich Turnen und seinem besonderen Hobby, alpine Hochtouren, verantwortlich. 

Bei den Turn-Weltmeisterschaften 1989 in Stuttgart organisierte Knirsch ein weltweit beachtetes Trainersymposium. Mit Herzblut und ständig neuen Impulsen ist dieses Symposium bis heute erfolgreich und fester Bestandteil des EnBW DTB Pokals.

"Kurt Knirsch hat sein Leben dem Turnen gewidmet. Er  hatte für ganze Generationen Mitarbeiter in Vereinen und Verband, für die Aktiven bis hin zum Nachwuchs, für alle immer ein offenes Ohr. Er war immer hilfsbereit und hat in schwierigen Situationen nach Lösungen gesucht.  Wenn es um die Sache ging, war ihm kein Weg zu weit. Als Mensch war er für uns alle ein Vorbild und ein Freund den wir schmerzhaft vermissen werden. Unser ganzes Mitgefühl gilt seinen Angehörigen in diesen schweren Stunden", sagt STB-Präsident Markus Frank.

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