Zu seinem Geburtstag hat viele seiner Weggefährten eingeladen. Ort des Geschehens ist passend das Vereinsheim der SG Schorndorf - das Zentrum des Großsportvereines seiner Heimatstadt. Dort wird es dann sicher nicht nur um die ereignisreichen vergangenen Jahrzehnte in der Turnfamilie gehen, sondern auch um das aktuelle Befinden. Rainer Brechtken erfreut sich guter Gesundheit. Er läuft, walkt gemeinsam mit seiner Frau und geht ins Fitnessstudio – natürlich bei seinem Heimatverein SG Schorndorf. Sportlich gesehen hat sich also nicht viel geändert - alles eben nur ein wenig langsamer als in der Vergangenheit.
Etwas langsamer geht es auch in Sachen Ehrenamt zu. Lange Jahre war er als „Dienstleister“ für die Vereine teilweise in mehrfacher Mission 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche unterwegs. Diese Zeiten sind vorbei: „Lediglich“ zwei Ehrenamtsposten übt der Jubilar noch aus. Zum einen ist Rainer Brechtken Vorstand des Stiftungsrats der Kinderturnstiftung Baden-Württemberg, zum anderen ist er in der Kinderturnstiftung des Deutschen Turner-Bunds aktiv. Dazu kommt noch die Unterstützung des Vorstands in „seiner“ SG Schorndorf.
Präsident in Doppelrolle
In seiner Heimatstadt startete er in den 1970er Jahren seine Laufbahn. Angefangen hat alles in der Stadtverwaltung Schorndorf, bevor er 1980 als Abgeordneter der SPD für 21 Jahre in den baden-württembergischen Landtag einzog. Im Jahr 1994 wurde er dann zum Präsidenten des STB (bis 2012) gewählt. Erst als zweiter Präsident aus dem Schwabenland wurde er im Jahr 2000 auch zum Präsidenten des Deutschen Turner-Bunds (DTB) und hatte diese Position 16 Jahre lang inne.
In seinen 18 Jahren beim STB konnte Brechtken viele Verdienste verzeichnen. So fand unter seiner Leitung die WM 2007 in Stuttgart statt, das Kunst-Turn-Forum wurde gebaut, Sportkongresse ins Leben gerufen und die Kinderturnstiftung Baden-Württemberg gemeinsam mit dem Badischen Turner-Bund und der Sparda-Bank Baden-Württemberg gegründet. Insgesamt wirkte Brechtken durch diverse ehrenamtliche Tätigkeiten beim STB, DTB und DOSB im deutschen Sport.
Auf die Frage „Warum er sich damals dazu entschlossen habe, Ämter im Turnen zu übernehmen, obwohl er keine entsprechende turnerische Vergangenheit habe?“ antwortete er einst: „Weil Turnen den größten politischen Anspruch im Sport geltend machen kann. Ein Turnverband hat mit vielen gesellschaftspolitischen Themen zu tun: zum Beispiel Demografie, Gesundheitspolitik und Inklusion.“
Passend dazu bittet das Geburtstagskind um Spenden anstatt um Geschenke: Wie kann es anders sein als für die Deutsche Kinderturn-Stiftung, die Kinderturnstiftung Baden-Württemberg oder das Hampelmann-Projekt der SG Schorndorf.
An welchen besonderen Moment erinnerst du dich in deiner STB-Zeit gerne zurück?
Ich empfinde es heute noch als faszinierend, dass es den Turnerbünden immer wieder gelingt, die Balance zu halten, Menschen von Kind bis ins hohe Alter an die Bewegung heranzuführen sowie gleichzeitig den Spitzensport zu unterstützen. In der Sportlandschaft gelingt das den Turnerbünden am besten. Mich persönlich haben die Turnfeste geprägt. Ich habe ja ohne jegliche Erfahrung das erste Turnfest in Ulm erlebt. Das war einmalig, die turnerischen und tänzerischen Darbietungen zu sehen sowie eine Sängerin zu erleben, die eine unglaubliche Stimmung vermittelt. Und dann war da noch die Turn-WM 2007 in Stuttgart, die neben dem sportlichen Erfolg sowie von der Tatsache, was bei der Großveranstaltung alles geboten und vor allem geleistet wurde, sehr überzeugend gewesen ist. Es ist daher keine Überraschung, dass ich heute in zwei Stiftungen tätig bin und eben nicht nur Spitzensport im Blick habe.

