Das Vorstandstrio mit Anne Neumann, Rolf Münzer und Marion Rebholz (v. l.) präsentiert mit Stolz die erhaltene Auszeichnung.

SC Sigmaringendorf/ Laucherthal: 2. Platz beim DOSB-Vereinswettbewerb

Beim bundesweiten Vereinswettbewerb „Starke Netze gegen Gewalt“ 2020 des DOSB sollten Beispiele besonders gut gelungener Zusammenarbeit im Kampf gegen Gewalt auf lokaler und regionaler Ebene gewürdigt werden. Dazu zählen Kooperationen im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit, langfristige Konzeptionen, die sich für die Sensibilisierung und Enttabuisierung des Themas einsetzen oder auch Aktionen, die auf Präventions- und Beratungsangebote vor Ort hinweisen.

Der SC Sigmaringendorf/Laucherthal war mit seinem Präventionsund Schutzkonzept zum Wohl von Kindern und Jugendlichen einer unter vielen Bewerbern, den eine Jury, zusammengesetzt aus DOSB und Kooperationspartnern, bewertete. Anfang November erreichte den SC dann die erfreuliche Nachricht, dass sie einen der ersten drei Plätze belegt haben. Damit stieg die Spannung bis zur Ehrungsveranstaltung am 25. November 2020, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen. Als nach der Ehrung des Drittplatzierten das Vereinslogo des SC auf den Bildschirmen erschien, war 
die Freude über den erreichten zweiten Platz unbeschreiblich. Nicht nur das Preisgeld in Höhe von 3000 Euro, sondern auch die Tatsache, dass sie mit ihren präventiven Maßnahmen auf Bundesebene überzeugen konnten, freute den SC. 2019 überzeugte die hohe Qualität der Maßnahmen auf Landesebene bereits die Sportstiftung des WLSB. Derzeit laufen weitere Bewerbungen, beispielsweise für den Lotto AWARD – Sportjugend Förderpreis.

Das Projekt des SC Sigmaringendorf/ Laucherthal

Die erste Stufe des Projekts ist ein Präventions- und Schutzkonzept, welches in der Satzung des Vereins verankert ist und so allen Tätigen im Verein und allen Mitgliedern als Handlungsgrundlage dient. Die zweite Stufe bildet die Schulung von Kindern und Jugendlichen. Diese ist in drei unterschiedliche Themen unterteilt und je nach Altersgruppe werden in diesen Bereichen unterschiedliche Inhalte behandelt. Den ersten Teil bildet die Gewaltprävention in theoretischer Form und nimmt je nach Altersgruppe bis zu drei Stunden in Anspruch. Hier wird den Kindern und Jugendlichen beigebracht, wie sie in Gefahrensituationen auftreten sollen und wie sie diese rechtzeitig erkennen. Die Praxis bildet den zweiten Teil. Wie kann ich mich in einer Notsituation wehren? Wie kann ich mich befreien? Was kann ich tun, wenn jemand aus meiner Gruppe angegriffen wird? Diese Fragen werden mit den entsprechenden praktischen Übungen der Selbstverteidigung und dem Selbstschutz erlernt. Dieser Teil kann bis zu viereinhalb Stunden einnehmen. Den letzten Teil bildet abschließend die Suchtprävention. Hier geht es um stoffliche Süchte wie Alkohol und Drogen, aber auch um nichtstoffliche Süchte wie Essstörungen. Dieser Teil nimmt nochmal bis zu fünf Stunden in Anspruch.

Die Schulungen finden immer während der Sporteinheit statt. Kommt ein Jugendlicher beispielsweise für zwei Stunden in die Sporthalle, wird eine Stunde Sport gemacht und die andere Stunde wird für die Schulungen genutzt. Bis alle drei Bereiche einer Schulung durchlaufen sind dauert es circa zehn Wochen. Der Vorteil an dieser Methode: Die Zeit ist bei den Kindern und Jugendlichen bereits fest pro Woche eingeplant und es muss niemand aufgrund von Zeitmangel am Wochenende aussetzten. Zudem wird das Erlernte wiederholt, wodurch die Kinder und Jugendlichen
es besser verinnerlichen.

Die Schulungen werden in Kooperation mit der Gewaltpräventionsschule Louia (N.E.I.N.-Pfullingen) durchgeführt. Die anfallenden Kosten für Kinder und Jugendliche aus dem Verein werden auch von diesem getragen.

Herr Michael Leyendecker – Präsident der DSJ im DOSB – beschrieb das Projekt in seiner Laudatio mit den Worten: „Eindrucksvoll und beeindruckend waren die ersten Begriffe, die mir in den Sinn kamen, als ich mich auf diese Laudatio vorbereiten durfte. Sie zeigen mit Ihrem Team, dass Schutz von Kindern und Jugendlichen durch vielfältige Aktionen gelingen kann. Sie zeigen aber vor allem Haltung. Sie zeigen Haltung gegen Gewalt, insbesondere sexualisierter Gewalt, indem Sie klar und präsent das Kinderschutzsiegel – Na klar – auf der Homepage präsentieren. Ihr Einsatz geht aber noch viel weiter, indem Sie Kinderrechte aktiv fördern und einfordern. Kindern und Jugendlichen zu zeigen, dass sie das Recht haben sich einzumischen und gehört zu werden, wird bei Ihnen nicht nur auf dem Papier geschrieben, sondern ist elementarer Bestandteil der DNA Ihres Vereins.“ Und sprach am Ende den Wunsch aus: „bleiben Sie diesem Weg und dieser Haltung treu, denn nur wenn wir alles daran setzen, dass Kinder und Jugendliche ein sicheres Umfeld in unseren Sportvereinen bekommen, erst dann kann der Sport und das soziale Miteinander im Verein Kinder und Jugendliche zu  tarken Persönlichkeiten entwickeln!“

Diesem Wunsch kommt der SC gerne nach, denn sobald es die Corona-Regelungen wieder erlauben, werden sie die Schulungen mit Kindern und Jugendlichen zu den Themen Gewaltprävention, Drogenmissbrauch und Selbstverteidigung fortsetzen, gerne auch mit Interessierten, die nicht Mitglied in ihrem Verein sind (Für Nicht-Mitglieder wird ein Betrag von 30 Euro erhoben).

Kinder und Jugendliche reagieren positiv auf das Programm

Rolf Münzer ist einer von drei Vorständen des SC Sigmaringendorf/Laucherthal und die treibende Kraft bei diesem Projekt.

Rolf, wie kam es zu diesem Projekt?

Der auslösende Faktor war das Landratsamt, das alle Vereine zu einer Infoveranstaltung eingeladen hat. Bei dieser wurde das neue Gesetz vorgestellt, das ein erweitertes Führungszeugnis von allen Tätigen im Verein verlangt, die mit Schutzbefohlenen zu tun haben. Zudem ist es so, dass alle immer von der Gewaltprävention von Kindern und Jugendlichen sprechen und wir wollten es einfach machen. Deshalb habe ich das Programm entwickelt und bin sehr froh entsprechend ausgebildete Helfer gefunden zu haben.

Gibt es erste Rückmeldungen von Kindern, Jugendlichen und Eltern?

Ja, wir machen mit allen teilnehmenden Kindern und Jugendlichen nach jedem Themengebiet eine Umfrage. Damit kontrollieren wir die Qualität, holen aber auch Feedback ein, um das Programm stetig zu verbessern und weiterzuentwickeln.
Von den Eltern haben wir bisher nur positives Feedback erhalten. Die Kinder und Jugendliche üben erlernte Griffe beispielsweise dann auch zuhause an den Eltern. Auch die Kinder und Jugendliche reagieren positiv auf das Programm. Einige geben auch konstruktives Feedback, beispielsweise dass man aufnehmen könnte, wie man mit psychisch kranken Familienangehörigen umgeht.

Wieso ist dir das Projekt wichtig?

Weil der Schutz von Kindern sehr wichtig ist und die reine Aufarbeitung von geschehenen Fällen weitere Kinder nicht retten kann. Aus diesem Grund ist unser Hauptziel die Prävention, damit Gewaltsituationen verhindert und Kinder und Jugendliche gerettet werden können.
Ich habe im Turngau Hohenzollern auch die Rolle des Vertreters der Vereine inne und habe eine B-Lizenz im Vereinsmanager. Ich unterstütze die Vereine auch gerne bei der Erstellung von Präventionskonzepten, da ich unser Projekt als Pilotprojekt ansehe und dieses auch gerne in die Breite streuen würde. 

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