Freivogel machte sich vor allem als internationaler Spitzenkampfrichter, unter anderem als Bundeskampfrichter-Obmann des Deutschen Turner-Bundes, im Turnsport einen Namen und wurde aufgrund seiner ehrenamtlichen Tätigkeit neben dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland mit vielen weiteren Ehrungen ausgezeichnet. Neben Einsätzen auf unzähligen regionalen Wettkämpfen war Freivogels Sachverstand auf Deutschen, Europa- und Weltmeisterschaften sowie fünf Olympischen Spielen gefragt.
„Dass sein Lebenswerk im Sportarchiv für Interessierte öffentlich gemacht wird, war mir eine Herzenssache“ sagt Wolfgang Eitel, Erster Vorsitzender des Institutes für Sportgeschichte Baden-Württemberg e. V. (IfSG) in Maulbronn, das eng mit dem im Hauptstaatsarchiv Stuttgart angesiedelten Sportarchiv zusammenarbeitet. Eitel war es auch, der die Initiative ergriff, den turnerischen Nachlass von Freivogel zu archivieren. „Die Idee ist schon bei Besuchen zu Lebzeiten bei Walter Freivogel entstanden, bei denen auch schon Rainer Brechtken, ehemaliger Präsident des Schwäbischen und Deutschen Turner-Bundes, mit in Dietlingen zu Gast war“ beginnt Eitel zu resümieren. Er gerät ins Schwärmen: „Wenn man bei Walter eingeladen war, erzählte er immer leidenschaftlich von seinen Tätigkeiten, vor allem seinen Kampfrichtereinsätzen bei Weltmeisterschaften und den Olympischen Spielen." Dabei kannte Eitel Freivogel schon von Kindesbeinen an: „Schon als jugendlicher Turner habe ich Walter in Pforzheim kennen und schätzen gelernt und er hat mich bei meinen Wettkämpfen schon unter die Lupe genommen und bewertet." Freivogel hatte seine zahlreichen Erinnerungsstücke seiner turnerischen Karriere in seinem Keller neben seiner heißgeliebten Modelleisenbahn sowie in seiner Garage gesammelt. Alte Satzungen, Urkunden, Sitzungsprotokolle, Anstecknadeln, Kleidungsstücke, Poster, Rundschreiben, Nachrufe, Presseberichte, Zeitschriften und Vieles mehr zierten sein „kleines persönliches Museum“.
Zwölf Meter Material
Nach dem Tod von Freivogel galt es, sein turnerisches Vermächtnis mit historischer Bedeutung zu sichern. Für diese Aufgabe zeigte sich Archivar Markus Friedrich vom Sportarchiv verantwortlich. „Wir haben aus zwölf laufenden Metern Material letztendlich sechs Meter historisch wichtige Dokumente geordnet und sortiert in das Archiv aufgenommen“, resümiert er über seine Arbeit. Welcher enorme Aufwand aber dahinter steckt, lässt sich schwer erahnen. Der gesamte Bestand wurde unbewertet übernommen, was bedeutet, dass sämtliche Unterlagen geordnet und erschlossen werden mussten. „Das sind auch viele Einzelblattbewertungen notwendig gewesen, wie es oftmals der Fall ist, wenn Nachlässe nicht schon vorsortiert sind“, erläutert Friedrich. „Aber dafür sind die Archivare da, um diese Dokumente sortiert für interessierte Personen zur Verfügung zu stellen“, führt er weiter aus. Gerne werden solche Dokumente für Ausstellungen oder Festschriften, die für Verbands- oder Vereinsjubiläen konzipiert werden, genutzt.
In einem auch online einsehbaren Findbuch sortiert kann nun jeder Interessierte thematisch recherchieren, welche Materialien aus den Jahren 1893 bis 2011 aus dem Archiv benötigt werden. Untergliedert und sortiert nach folgenden Themen:
- Korrespondenz
- Internationale Turnorganisationen
- Deutscher Turner-Bund
- Badischer Turner-Bund
- Wettkämpfe, Kampfrichterwesen
- Turnbetrieb
- Urkunden und Plakate
- Publikationen
- Dokumentationsmaterial und Fotos
Weitere Informationen zum Thema unter folgenden Links:

