Klarer Sieg mit kleinen Makeln

So richtig zufrieden waren sie beim Meister KTV Straubenhardt trotz des am Ende klaren 47:22-Siegs gegen den TV Schwäbisch Gmünd-Wetzgau dann doch nicht. "Es waren noch ein paar Böcke drin", kritisierte Straubenhardts sportlicher Leiter Dirk Walterspacher, dessen Turner zweimal am Boden und einmal am Pauschenpferd wichtige Punkte hatten liegen lassen. Und das führte in der Anfangsphase zu einem durchaus ausgeglichenen Wettkampf. "Wir kommen jetzt langsam in Richtung Finale, da darf so etwas nicht mehr passieren", forderte er.

Dass dann auch noch der Franzose Zachari Hrimèche einen rabenschwarzen Tag erwischte, machte die Aufgabe für die Schwarzwälder nicht leichter. «Der darf natürlich nicht verturnen, denn er ist ja eigentlich als sichere Bank gedacht», sagte Walterspacher. Es war Turn-Ikone Anton Fokin, der einsprang, als Hrimèche nach der verpatzen Bodenübung signalisierte, er könne auch am Sprung nicht starten. "Hut ab. Er hat drei Minuten zuvor erfahren, dass er springen muss. Und er hat es perfekt gemacht", lobte Walterspacher den 35-jährigen Usbeken, der den Verein in Richtung Heimat verlassen wird. "Und dann geht er zum Abschied ans Reck. Da hat er, seit ich hier Trainer bin, noch nie geturnt. Absolut perfekt".

Unter den Augen seiner Freundin Pauline Schäfer haderte ein Anderer mit seinem Spezialgerät: Andreas Bretschneider. Der König im Luftraum über dem deutschen Reck, Erfinder des schwierigsten Übungsteils der Welt und Top-Scorer der Bundesliga verflog sich wie schon bei der EM in Glasgow und musste vom Gerät. "Ich glaube, der zweifelt bald an sich selbst. Ich wünsche ihm wirklich, dass er bei der WM-Qualifikation und bei den deutschen Meisterschaften jetzt mal wieder sauber durchkommt. Damit er bei der WM in Doha mal wieder so richtig einen raushauen und zeigen kann, was er eigentlich drauf hat", sagte Walterspacher. Insgesamt rief der 29-Jährige trotz Patzer am Spezialgerät insgesamt eine Top-Leistung ab und wurde mit 13 Scorepunkten auch Straubenhardts bester Scorer.

Mit einem kleinen Familientreffen wurde Marcel Nguyen an seinem 31. Geburtstag überrascht. Neben Freundin Michelle Timm fanden sich auf der Tribüne der Straubenhardthalle noch weitere Familienmitglieder. "Meine Mum, meine Schwester und mein Schwager sind aus München angereist. Das war eine Überraschung", freute sich Nguyen. Im Wettkampf verzichtete er neben dem ungeliebten Pauschenpferd auch auf das Reck. "Ich versuche, meinen Körper ein bisschen zu schonen. Ich hab auch im Training nicht alles im Original gemacht. Boden habe ich zum Beispiel nur auf der Akrobahn geturnt, mit weichen Landungen. Auch Sprung hab ich jetzt zum ersten Mal seit der EM wieder original geturnt, verriet er."

Für Wetzgaus Coach Paul Schneider ging die Leistung seiner Mannschaft trotz Niederlage in Ordnung. "Ich bin zufrieden mit meinen Turnern", bekannte er und fügte hinzu: "Natürlich nicht mit dem Ergebnis. Ich bin Trainer, ich will immer gewinnen! Aber wenn die andere Mannschaft eben besser ist, dann muss man das akzeptieren", sagt er. Schon an den Ringen sei die KTV das klar bessere Team gewesen. "Da hat die Schwierigkeit der Übungen entschieden und da waren sie einfach besser", betonte er.

Auch Andreas Toba, mit 11 Scorepunkten erfolgreichster Punktesammler seiner Riege, sah den Wettkampf schnell realistisch. "Wir wussten ziemlich schnell, dass wir hier nicht viel zu holen haben", räumt er ein. Eigentlich habe man das ja schon vorher gewusst, aber: "Am Boden und Pferd konnten wir ja noch ziemlich gut mithalten. Wo sich erstmals die unterschiedliche Klasse gezeigt hat, war an den Ringen. Da haben wir für unsere Verhältnisse eigentlich ganz gut geturnt, haben aber trotzdem ganz schön eine auf den Sack gekriegt", erinnerte er sich.

Den Finalkurs aufgeben will Toba aber dennoch nicht, denn in der Liga seien überraschende Ergebnisse in dieser Saison nicht selten. "Wir sollten uns einfach darauf konzentrieren, dass wir die nächsten beiden Wettkämpfe so gut wie möglich turnen. Ich denke, es gibt in jedem Fall eine Chance, gegen Stuttgart zu gewinnen. Ich weiß nicht, wie gut die TG Saar im Herbst sein wird. Denn die hatten im Frühjahr mit dem Ausfall von Verniaiev ja schon einige Probleme. Aber ein Turner allein macht es eben auch nicht", glaubt Toba.

Auch für TVW-Trainer Schneider ist das kleine Finale in Ludwigsburg noch längst nicht abgeschrieben. "Klipp und klar: Wir müssen die beiden nächsten Wettkämpfe gegen Saar und Stuttgart gewinnen. Dafür machen wir alles. Wir stellen uns darauf ein", kündigte er an.

Für den TV Schwäbisch Gmünd-Wetzgau stehen nun noch die Begegnungen gegen die TG Saar (10. November) und beim MTV Stuttgart (17. November) an, Meister Straubenhardt triit noch gegen SC Cottbus (10. November) und bei der TG Saar (17. November) an.

Die Schwaben vom MTV Stuttgart besiegten den Siegerländer KV mit 40:32. Die Heilbronner des KTT Heilbronn verloren mit 16:73 gegen die TG Saar. KTV Obere Lahn besiegte den SC Cottbus mit 49:26.

(Deutsche Turnliga)

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