Turnen schenkt Hoffnung – helft Nikola Giek und der Turnfamilie in Namibia

Im Sommer reist STB-Volunteer Nikola Giek aus Weinstadt erneut nach Namibia. Seit seinem ersten Aufenthalt vor einigen Jahren ist er mit dem afrikanischen Land und den Menschen eng verbunden. Besonders die Trainerinnen in dem Ort Swakopmund, mit denen er bis heute in Kontakt steht, sind zu Freunden geworden. Der 31-jährige unterstützt als Pate im Programm der Dongina-Risser-Gymnastics-Foundation gezielt eine Nachwuchsturnerin und möchte deren Entwicklung nun wieder persönlich begleiten. Ein Gespräch über Erfahrungen, Erlebnisse und Wünsche.

Wollt ihr Nikola und seine Turnsport-Arbeit in Namibia unterstützen? Dann spendet Vereinskleidung und -ausrüstung wie Turnanzüge, Schläppchen, Riemchen! Denn nur so können viele Kinder aus einkommensschwachen Familien dem Turnsport nachgehen. Anfragen an nikola@g-giek.de


STB: Wie kam es dazu, dass du als Trainer in Namibia Kindern Turnen vermittelt hast?

Nikola: Die Idee zu dem Projekt hatte die DTB-Vizepräsidentin Annette Hofmann und die Ehrenpräsidentin des Namibischen Turnverbandes Valereis Geldenhuys während der Turnweltmeisterschaft in Stuttgart 2019. Es wurden turnbegeisterte Studierende an der Uni Stuttgart und der PH Ludwigsburg gesucht, welche als Trainer und Trainerinnen nach Namibia gehen sollten und vor Ort mit den Kindern in der Halle arbeiten, die örtlichen Trainer unterstützen und einen Austausch zwischen Deutschland und Namibia fördern. Als ich von dem Projekt erfuhr, wusste ich sofort, dass ich ein Teil davon sein wollte. Zum einen war es schon immer mein Traum, nach Afrika zu gehen. Zum anderen genieße ich jede Sekunde in der Turnhalle und Kindern den Spaß am Turnen zu vermitteln.

Welche Vorbereitungen musstest du treffen, um nach Namibia zu reisen?

Dadurch, dass das Projekt zum ersten Mal stattgefunden hat, gab es keine Erfahrungswerte und nur wenig Informationen im Voraus. Es war mehr ein Flug ins Ungewisse. Ich habe mich für einen Zeitraum von 10 Wochen in Namibia entschieden. Den Rest der Organisation haben die Vereine und Personen vor Ort übernommen. Bevor es dann tatsächlich in den Flieger ging, habe ich mich natürlich mit dem Land und der Kultur vertraut gemacht. Die deutsch-namibische Geschichte reicht schon lange zurück und es war sicherlich eine gute Idee, sich zuvor mit den bis heute anhaltenden Themen der Kolonialzeit zu beschäftigen. Für Namibia gibt es keine vorgeschriebene Pflichtimpfungen, allerdings werden einige typische Reiseimpfungen empfohlen, deshalb ließ ich mich zuvor von meinem Hausarzt beraten.

Was hat dich vor Ort positiv überrascht?

Die Vereine, in denen ich als Trainer aktiv war, hatten beide eine feststehende Gerätehalle. Obwohl es sich bei dem Verein in Otjiwarongo für deutsche Verhältnisse um einen kleinen Verein mit wenigen Turnern und Turnerinnen handelt, war die Halle top ausgestattet. Der Verein in Swakopmund gehört zu einem der größten in Namibia und in der Halle stehen die meisten Geräte in mehrfacher Ausführung, wobei die Geräte oft Spenden aus Deutschland sind. Am meisten haben mich aber die Menschen in der Halle überrascht. Sowohl die Kinder als auch die Trainer und Trainerinnen verbindet eine unglaubliche Liebe zum Turnsport. Die Leidenschaft war täglich zu spüren und die Freude auf das Training war ansteckend. Viele Kinder kommen aus sehr armen Verhältnissen, haben schon im jungen Alter viel durchlebt und häufig ist das Turnen die einzige Auszeit vom harten Alltag.

Wieso habt ihr mehrmals den Ort in Namibia gewechselt?

Ziel war es, möglichst viele Eindrücke zu sammeln, viele Kinder zu trainieren, sich mit vielen Trainern und Trainerinnen vor Ort auszutauschen und auch unterschiedliche Teile des Landes zu sehen. Wie in Deutschland ist auch in Namibia jeder Verein anders strukturiert und organisiert, deshalb war es auch spannend, die Unterschiede zwischen den Vereinen kennenzulernen. In Otjiwarongo wird nur Kinderturnen im Breitensportbereich angeboten, während es in Swakopmund ein deutlich breiteres Angebot gibt.

Auf welchem turnerischen Niveau waren die Kinder vor Ort?

Das turnerische Niveau deckte die komplette Bandbreite ab. Es gibt Anfängergruppen im Vorschulalter, Breitensportgruppen von 6 bis 18 Jahre mit ein oder zweimal Training pro Wochen und Wettkampfgruppen mit täglichem Training mit dem Ziel, sich für nationale und internationale Wettkämpfe zu qualifizieren.

Wie habt ihr euer Training strukturiert? Genauso wie in Deutschland oder anders?

Das Training wurde je nach Trainingsgruppe und Leistungsniveau der Kinder angepasst. Die unterschiedlichen Niveaustufen hatten oft zeitgleich Training, wärmten sich gemeinsam auf und beendeten das Training zusammen. In den Anfänger- und Breitensportgruppen war das Training sehr ähnlich zu dem Training in Deutschland. Das Training in der Wettkampfgruppe war deutlich individueller auf die Kinder und ihr aktuelles Trainingsziel abgestimmt.

Nach welchen Vorgaben habt ihr vor Ort das Training geleitet?

In der jeweils ersten Woche in den Vereinen habe ich die Trainer und Trainerinnen vor Ort begleitet, danach habe ich selbstständig Trainingsgruppen übernommen. An vier Tagen in der Woche habe ich nachmittags mehrere Gruppen trainiert. Die Wochenenden waren trainingsfrei. Es gab keine direkte Vorgabe, wie viel Training ich geben musste, wenn aber eine Gruppe Kinder mit großen Augen fragt, ob sie auch mal mit mir trainieren dürfen, dann ist es sehr schwer, nein zu sagen. Es war aber auch immer möglich, in Rücksprache mit den Verantwortlichen die Trainingszeiten anzupassen oder sich einzelne Tage freizuhalten.

Wie sieht das Thema „Sicherheit im Training“ in Namibia aus?

Sicherheit im Training ist auch in Namibia ein großes Thema. Die Trainer und Trainerinnen haben regelmäßig interne Schulungen zu dem Thema, wobei vor allem die physische und psychische Gesundheit der Kinder im Mittelpunkt stehen. Da viele Kinder aus zerrütteten Familienverhältnissen kommen, ist es den Verantwortlichen besonders wichtig, dass der Sport und das Training eine sichere Umgebung für die Kinder darstellen. Sie betonen immer wieder den Begriff der „Turnfamilie“, in der alle Kinder wie Familienmitglieder behandelt werden und jedes Kind sich frei entfalten kann. Die Matten in der Halle stellten allerdings ein großes Problem dar. Viele Matten waren sehr alt und erfüllten ihren Zweck nur ungenügend. Teilweise wurden alte Matratzen als Landematten genutzt. Vor allem für die Wettkampfgruppe, die an körperlich sehr anspruchsvollen Elementen arbeiteten, führte das zu zusätzlichen Herausforderungen. Außerdem gab es keine Schnitzelgrube und beim Lernen neuer Teile mussten wir kreative Lösungen finden.

Gibt es dort Trainerlizenzen oder wird einfach nur Training gegeben?

Trainerlizenzen, wie wir sie in Deutschland kennen, gibt es nicht. Die meisten Trainer und Trainerinnen, vor allem in kleineren Vereinen, haben davor selbst geturnt oder sind engagierte Elternteile, die ihr eigenes Wissen an die Kinder weitergeben. Die Qualität des Trainings variiert deshalb stark und darum war ein Ziel des Projekts der fachliche Austausch zwischen deutschen und namibischen Trainerinnen und Trainern. Eine Ausnahme stellen die hauptverantwortlichen Trainerinnen in Swakopmund dar. Diese haben sich über internationale FIG-Kurse über viele Jahre ein breites Fachwissen erarbeitet. Da es kein offizielles Fortbildungs- oder Ausbildungsprogramm des Turnverbands gibt, organisieren sie regelmäßig aus Eigeninitiative Fortbildungen an denen motivierte Trainerinnen und Trainer aus ganz Namibia teilnehmen.

Was hast du von diesen Erfahrungen für dein Leben in Weinstadt mitgenommen?

Turnerisch habe ich ganz viel lernen können, da ich hier noch nie mit einer Gruppe auf dem Leistungsniveau trainiert habe. Vor allem das zielgerichtete und sehr akribische Arbeiten in der Wettkampfgruppe hat mir sehr Spaß gemacht. Außerdem habe ich gelernt, mit äußeren limitierenden Faktoren, wie alte Geräte, schlechte Matten oder fehlendem Trainingsmaterial umzugehen und dass viele Herausforderungen kreativ gelöst werden können.

Ich habe aber nicht nur turnerisch viel mitnehmen können, sondern vor allem die Einstellung und die Freude der Kinder haben mich tief inspiriert. Sie sind zu jedem Training mit einem Lächeln in die Halle gekommen und haben ihr Bestes gegeben, egal wie hart ihr Tag davor war oder welche Probleme zu Hause auf sie warteten. Gleichzeitig war es beeindruckend zu sehen, wie die Trainer Rücksicht auf die jeweilige Situation der Kinder nehmen und wie viel Zuneigung, gegenseitigen Respekt und Hingabe das Training in der „Turnfamilie“ prägen.

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