Foto: Diana Drubig

„Das Potenzial der ‚Älteren‘ nicht unterschätzen“

Michaela Böhme engagiert sich ehrenamtlich für das Thema „Ältere“ im Bereichsvorstand „Freizeit- und Gesundheitssport“ im Schwäbischen Turnerbund und seit November 2017 im Vorstand des Landesseniorenrates. Sie war zehn Jahre Geschäftsführerin des MTV Ludwigsburg bevor sie 2010 als Referentin für Freizeit- und Gesundheitssport zum Schwäbischen Turnerbund wechselte. Nach einer Auszeit aufgrund familiärer Pflege arbeitet sie heute freiberuflich als Beraterin für Vereine und gemeinnützige Organisationen.

Michaela, du wurdest in den Vorstand des Landesseniorenrats Baden-Württemberg gewählt und vertrittst damit den Badischen und Schwäbischen Turnerbund. Herzlichen Glückwunsch! Was bedeutet dieses Amt für dich?
Ich möchte mitgestalten. Das heißt für mich im Falle des Landesseniorenrates (LSR), dass die Generation 60plus gesund und fit im Alter bleibt oder wird. Die zweite wichtige Bedeutung ist für mich
die Vernetzung und die Gemeinschaft innerhalb des Vorstandes des LSR. Dort sitzen Menschen mit unglaublich interessanten beruflichen wie privaten Lebensläufen, die das Thema Alter von allen möglichen Seiten anders betrachten als ich – eben nicht nur aus dem Blick von Fitness und Gesundheit. Das bereichert mein Denken sehr. Und natürlich vertrete ich die beiden baden-württembergischen Turnerbünde und ihre Vereine und mache deren Bedeutung in Sachen „Gesundheitsförderung im Alter“ sichtbar. Das Amt hat für mich auch eine emotionale Bedeutung: Mein Vorgänger im LSR, Helmut Mendler, der leider im Dezember 2016 plötzlich verstorben ist, hat mich schon zu seinen Lebzeiten auf dieses Amt vorbereitet. Es ist mir eine Herzensangelegenheit und eine Ehre, seine Nachfolgerin zu sein.

Was hast du nun für Aufgaben?
Vereinfacht gesagt, das Thema Bewegung im Alter und die Vereine des Badischen und Schwäbischen Turnerbunds als Anbieter von passenden Programmen für die Generation 60plus zu positionieren. Das ist, wenn man so will, Lobbyarbeit für die beiden Verbände und ihre Vereine. Ganz praktisch gesehen ist es beispielsweise eine Bewegungseinheit beim nächsten Landesseniorentag am 4. Juli in Waldkirch während des offiziellen Programms. Dort muss es mir gelingen, die ca. 1000 Teilnehmer zum einen aktiv
in der Halle zu bewegen und zum anderen sie zu motivieren dies regelmäßig zu tun – am besten im
örtlichen Turn- und Sportverein.
Den dort versammelten Politikern des Landes und der Kommunen möchte ich eindringlich vermitteln,
dass die Vereine ihre besten Verbündeten bei den Herausforderungen des demografischen Wandels
sind, aber dabei auch Unterstützung brauchen.

Welche Aufgaben/Ziele hat der Landesseniorenrat?

Der LSR wurde 1974 als Dachverband gegründet und vertritt gegenüber Regierung, Politik, Verbänden
und Organisationen die Interessen der fast 2,7 Millionen Menschen über 60 Jahre in Baden-Württemberg. Teilhabe, Selbstbestimmung und Sicherheit, das sind Interessen, die der LSR nach außen, im Bereich von Politik und Gesellschaft vertritt. Dabei denkt der LSR generationenübergreifend:
Ein abgesenkter Bordstein hilft eben nicht nur dem Senior mit Rollator, sondern auch der Mutter mit
Kinderwagen und dem Rollstuhlfahrer. Ganz besonders wichtig ist dem LSR zudem, mit der Darstellung
aller Facetten des Alters, gegen ein einseitiges Bild vom Alter hinzuwirken.

Kannst du unseren Vereinen Tipps für die Arbeit mit „Älteren im Verein“ geben?
Zum einen halte ich es für wichtig, dass die Vereine diese Zielgruppe strategisch und Zielgruppenorientiert betrachten. Allein die Zahlen der Bevölkerungsentwicklung 60plus bis 2030 sprechen für sich. Zum anderen sollte ein Verein immer im Blick haben, dass er gerade für seine langjährigen Mitglieder altersgemäße Sport- und Bewegungsangebote bereithält. Das passive 60-jährige Mitglied das brav seinen Beitrag zahlt, wird es in Zukunft nicht mehr geben. Diese neue Generation der „Alten“ hat ein hohes Gesundheitsbewusstsein und ist aktiv. Zusätzlich spielt bei dieser Zielgruppe die soziale Gemeinschaft eine große Rolle. Der Verein wird zur Heimat und er sollte diese soziale Gemeinschaft mit entsprechenden Angeboten fördern, zum Beispiel mit gemeinsamen Ausflügen. Und nicht zuletzt dürfen Vereine das Potenzial der Älteren nicht unterschätzen, wenn es um ehrenamtliches Engagement geht. In nicht einmal zehn Jahren werden die 1960er Jahrgänge in Rente gehen – da kommt eine gut ausgebildete Generation in den Ruhestand, die gestalten und sich
einbringen möchten. Deshalb sollten wir bereits heute die Weichen dafür stellen!

Ihr interessiert euch für das Thema "Ältere" im Verein? Dann schaut mal hier.

Mehr Infos zum Landesseniorenrat gibt es hier.

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