Es ist ein Novum. Noch nie zuvor hatte eine Gymnastin des Deutschen Turner-Bundes die Möglichkeit der Topnation in der Rhythmischen Sportgymnastik Russland über die Schulter zu schauen. Sogar mit ihnen zu trainieren.
Da wird es Jana Berezko-Marggrander sicher verschmerzen können, bei der Abschiedszeremonie für die erste deutsche Juniorennationalmannschaft einem der Superstars des deutschen Sports vor dem Brandenburger Tor nicht die Hand schütteln zu können. Dirk Nowitzki verabschiedet dort die Athleten zu den Olympischen Jugendspielen nach Singapur (14. bis 26. August). Bis zum 1. August wird die 14-jährige Schmidenerin ein eineinhalbwöchiges Trainingslager in Kroatien absolvieren. Nicht irgendein Trainingslager. Sondern das Sommertrainingslager der dominierenden Sportgymnastik-Nation Russland. „Es hieß immer, dass die russischen Einzelmädchen unter Verschluss sind, wir da nicht rankommen. Deshalb sind wir schon ein bisschen stolz, dass das jetzt funktioniert“, sagt Michael Bürkle, Leiter des Bundesstützpunkts für Rhythmische Sportgymnastik in Schmiden. „Das ist eine richtig große Auszeichnung, etwas ganz Besonderes.“
Bereits in der Vergangenheit gab es Vorstöße von deutscher Seite, um einmal mit den ganz großen Stars der Szene wie der Olympiasiegerin Evgenia Kanaeva zu trainieren. Fortwährend ohne Erfolg. Doch in diesem Jahr sollte die Beharrlichkeit belohnt werden. Der entscheidende Faktor: die aus Weißrussland stammende Schmidener Cheftrainerin Galina Krylenko. Sie war es, die den Kontakt zu der mächtigen russischen Cheftrainerin Irina Viner herstellte und letztlich dafür sorgte, dass Berezko-Marggrander mit nach Kroatien fahren darf.
Aber auch die Erfolge der 14-jährigen Juniorin trugen wesentlich dazu bei, dass sie sich in Kroatien befindet. Bei den Europameisterschaften im April konnte die Schmidenerin nachhaltig auf sich aufmerksam machen. Speziell der zweite Platz im Qualifikationswettbewerb für die Olympischen Jugendspiele zum Abschluss. Davor konnte sie sich bereits über drei Bronzemedaillen freuen – das erste Edelmetall einer deutschen Gymnastin bei internationalen Wettkämpfen.
Die hervorragenden Ergebnisse bei den kontinentalen Titelkämpfen haben auch die Verantwortlichen des DTB zum Umdenken bewogen. Jana Berezko-Marggrander darf auch nach ihrem Aufstieg in die Meisterklasse (16Jahre und älter) als Einzelstarterin weitermachen und muss sich nicht der Nationalgruppe anschließen, der momentan sämtliche Fördermittel des DTB zukommen. „Der DTB wird wohl einen Teil der Finanzierung übernehmen. Das ist ein wichtiger erster Schritt“, sagt Michael Bürkle.