Sieben EM-Finaltickets für deutsche Frauen

Die deutschen Frauen haben sich bei den kontinentalen Titelkämpfen in Rumänien sieben Finaltickets gesichert. Die Männer kommen auf vier. Heute Mehrkampffinale ab 12 Uhr.

"Ich glaube, das hatten wir noch nie", kommentierte Bundestrainerin Ulla Koch freudestrahlend den Erfolg ihres Quartetts. So steht die Stuttgarterin Kim Bui gleich in drei Entscheidungen: im Mehrkampf, wo sie Sechste wurde sowie jeweils als Siebte am Stufenbarren und am Boden. Weltcup-Siegerin Tabea Alt (MTV Ludwigsburg) kam in der Qualifikation auf Rang drei im Vierkampf und auf Platz fünf am Schwebebalken. Und ihre Trainingskollegin Elisabeth Seitz (MTV Stuttgart) war am Stufenbarren von keiner Konkurrentin zu schlagen. Quasi im Nachgang durfte sich dann auch noch Pauline Schäfer freuen. Die Chemnitzerin hatte die Halle mit 13,133 Punkten als Neunte am Boden verlassen, rutschte dann aber ins Finale noch hinein, da die Note der rumänischen Olympiasiegerin Catalina Ponor später nach unten korrigiert wurde.

Entsprechend gut war die Stimmung nach dem Wettkampf. "Ich habe nichts auszusetzen", erklärte Eli Seitz mit leichtem Lächeln. Zwar stellte sie selbst noch "Fehlerchen" bei ihrem starken Vortrag an den Holmen fest, den die Kampfrichterinnen mit 14,566 Punkten bewerteten. Doch optimistisch kündigte die Olympiavierte an: "Am Samstag soll es perfekt laufen."

Tabea Alt zeigte sich nach ihrer Qualifikation "sehr glücklich". Bis zum nächsten Auftritt am Freitag im Wettbewerb der besten Allrounder werde sie jetzt vor allem Kraft tanken. "Das ist wichtig, um vom Kopf und vom Körper her topfit zu sein." Mit 54,866 Punkten hatte die 17-Jährige ihre Ambitionen auf eine Medaille bei den Allrounderinnen klargemacht. Gerade an ihrem Lieblingsgerät Schwebebalken (13,70) lief es trotz der Finalqualifikation mit einem Zeitfehler und einigen Unsicherheiten nicht optimal, weshalb noch Luft nach oben sei.

Die sieht auch Kim Bui bei sich, die allerdings lediglich am Balken beim freien Rad eine größere Schwäche zeigte. Ansonsten war die 28-Jährige mit ihrem "Gesamtpaket" mehr als zufrieden. Vor allem mit dem Bodenfinale, das sie mit 13,166 Punkten erreichte, "hatte ich nicht gerechnet". Nun soll es in den Endkämpfen, in die sie im Mehrkampf mit 53,632 und am Barren mit 14,133 Punkten einzog, genauso gut laufen.

Pauline Schäfer haderte ein wenig mit ihrem Vortrag am Balken, war die WM-Dritte doch bei ihrer Eigenkreation, dem Schäfer-Salto, abgestiegen und hatte auch eine gymnastische Serie nicht erfüllt. "Dieser erste große Wettkampf nach dem letzten Jahr war sehr anspruchsvoll", betonte sie enttäuscht. Dass sie dennoch in einem Finale dabei sein wird, wusste sie da noch nicht.

Männer sichern sich vier Finalplätze

Die deutschen Männer hatten derweil am Tag zuvor vier Finaltickets gelöst. So zog Marcel Nguyen (TSV Unterhaching) mit 15,166 Punkten als Bester in die Entscheidung am Barren ein. Sein Clubkollege Lukas Dauser folgte nur ganz knapp dahinter (15,10) auf Rang drei und durfte sich zudem mit 81,398 Punkten über Rang zehn im Mehrkampf und die damit erfolgreiche Qualifikation für das 24er-Finale freuen. In diesem steht auch Philipp Herder (SC Berlin), der mit 81,699 Punkten noch einen Platz besser war.

Auch die anderen Deutschen schlugen sich gut. Felix Remuta (TSV Unterhaching) hatte sich lange Zeit noch Hoffnungen auf eine Finalteilnahme am Sprung machen dürfen, scheiterte dann jedoch als Elfter. Nils Dunkel (MTV Erfurt/SC Berlin) gab als 22. mit 78,747 Punkten ebenfalls die Empfehlung für die Runde der besten Allrounder ab, fiel jedoch der Beschränkung auf zwei Starter pro Nation zum Opfer. Und Ivan Rittschik (KTV Chemnitz) war am Pauschenpferd eigentlich auf sehr gutem Kurs, musste dann allerdings beim Abgang absetzen.

Bundestrainer Andreas Hirsch bilanzierte zwischenzeitlich "ein passables Bild mit allen Nuancen". Die Mehrkämpfer hätten ihre Aufgabe erfüllt und "heile Übungen" gezeigt. Allein Dauser musste einen Sturz hinnehmen, als es ihn am Boden nach dem Doppeltsukahara in der ersten Bahn von der Fläche in die Bauchlage katapultierte. Dennoch war der Weltcup-Zweite zufrieden mit seinem vierten Mehrkampf innerhalb von wenigen Wochen. "Ich habe schon im Weltcup gemerkt, dass das für den Kopf nicht leicht ist", erklärte er. Nun hofft der Sportsoldat, wie bei seinem dritten Platz in London am Freitag fehlerfrei durch seine Programme zu kommen.

Barren-Konkurrent Nguyen will am Sonntag ebenfalls noch einen drauflegen. Nach einer starken ersten Hälfte hätten sich im zweiten Teil seiner Übung ein paar Unsauberkeiten eingeschlichen, an denen er in den nächsten Tagen noch feilen werde. Zudem könnte er seinen Schwierigkeitswert noch um ein Zehntel erhöhen. "Aber insgesamt bin ich erst mal sehr zufrieden."

Das galt ebenfalls für Herder, der "gut reinkam" in den Wettkampf und diesen Schwung dann mitnahm. Im Finale will er noch einmal "alles geben" und "dann sehen, was das international wert ist". 

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Der Zeitplan

Freitag 21.04.

12:00-14:45 Uhr    Mehrkampffinale Männer*
16:30-18:30 Uhr    Mehrkampffinale Frauen*

Samstag 22.04.

11:00-12:00 Uhr    Einturnen auf dem Podium
12:30-15:40 Uhr    Gerätfinale I*

Sonntag 23.04.

11:00-12:00 Uhr    Einturnen auf dem Podium
12:30-15:40 Uhr    Gerätfinale II*

* mit deutscher Beteiligung

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