Jana Berezko-Marggrander – lässt sich nicht unterkriegen

Selbst die Weltbesten schauen genau hin, wenn sie auf die Wettkampffläche tritt: Jana Berezko-Marggrander ist ein bemerkenswertes Talent. Deshalb hat sie sich schon mit 16 Jahren als einzige deutsche Einzelgymnastin für die Olympischen Spiele qualifiziert. Doch der Weg dorthin war für die Schülerin nicht immer leicht. Erst in den vergangenen Monaten zeigte sie wieder ihren starken Willen und ihr Durchhaltevermögen. Zum einen weil sie aus gesundheitlichen Gründen immer wieder außer Gefecht gesetzt war. Zum anderen weil sie für ihr Ticket nach London hart kämpfen musste – nicht nur sportlich, sondern auch emotional.

Es war Janas Trainingskollegin und gute Freundin Laura Jung, die mit ihrem 19. Platz bei der WM das Ticket für die zweite Qualifikationsrunde bei den Olympischen Testspielen gesichert hatte. Dorthin wollte der Deutsche Turnerbund (DTB) seine beste Gymnastin schicken. Und das war – wie sich bei zwei internen Testwettkämpfen zeigte – Jana Berezko-Marggrander. Sie gewann den Zweikampf unter Freundinnen. „Das war psychologisch sehr schwer für uns“, sagt sie. Nach dem entscheidenden Wettkampf im Januar in Schmiden gab es keine glücklichen Gesichter. Laura Jung fühlte sich trotz großartiger Leistung wie eine Verliererin und Jana Berezko-Marggrander sah sich damals nicht als Siegerin.

Doch auch ihre Anfänge am Bundesstützpunkt in Schmiden gestalteten sich für das dunkelhaarige Mädchen nicht einfach. Als sie 2008 ins Internat kam, war sie gerade einmal fünf Tage in Deutschland. Denn die ersten elf Jahre ihres Lebens verbrachte Jana Berezko-Marggrander in Russland. Selbst wäre sie auch nicht auf die Idee gekommen, ihre Heimat zu verlassen. Doch ihre Mutter hatte andere Pläne – im Sommerurlaub in der Türkei hatte sie sich in Frank Marggrander verliebt, da war es für sie bald klar, dass sie mit ihrer Tochter nach Linkenheim bei Karlsruhe ziehen würde. In Deutschland war dann vieles für die damals Zwölfjährige neu - Sprache, Umgebung und Mentalität. Nur eines war ihr trotz aller Schwierigkeiten stets klar: Mit der Rhythmischen Sportgymnastik wollte sie nach acht Jahren auf keinen Fall aufhören. Stiefvater Frank Marggrander suchte deshalb im Internet nach Angeboten und stieß auf das STB-Leistungszentrum in Schmiden. Er rief bei Thomas Schütte, der Vertrauensperson am Bundesstützpunkt, an, der aber erstmals skeptisch war. „Oft rufen Eltern an und halten ihr Kind für talentiert. Wir wollten uns deshalb selbst ein Bild von Jana machen", erklärt Schütte. Jana turnte vor und überzeugte Cheftrainerin Galina Krylenko auf Anhieb.

Von diesem Zeitpunkt an war das Gymnastik-Talent auf sich allein gestellt. Die erste Zeit war aufgrund von Heimweh und den sprachlichen Barrieren schwierig. Heute kann die Sportlerin offen darüber reden - in akzentfreiem Deutsch. Denn mittlerweile ist Schmiden zu ihrer zweiten Heimat geworden und sie ist glücklich und vor allem auch erfolgreich: Bronze bei den Olympischen Jugendspielen 2010, mehrfache Deutsche Meisterin oder Dritte bei der Jugend-EM in Berlin. "Jana hat wie Schwimmer Christian vom Lehn eine tolle Entwicklung seit den Jugendspielen gezeigt", lobt die für Leistungssport zuständige DOSB-Vizepräsidentin Christa Thiel. Deshalb ist sie jetzt auch Olympia-Teilnehmerin – ihr Durchhaltevermögen hat sich gelohnt.